Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 40. Band.1919
Seite: 188
(PDF, 113 MB)
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der Anderen. In der Abstimmung eigener und
fremder Werke zu geschlossenem Bilde liegt die
hohe Verantwortlichkeit des Baubeamten, um so
schwieriger, je mehr die Gefahr zu beachten ist,
daß wertvolle fremde Arbeit durch abweichende
eigene Ansichten unterdrückt werden könne.

Und noch ein Hemmnis liegt in der Baukünstlerschaft
selbst, das Monopol der Alten.
Keiner gibt zu, alt zu sein, solange er Entwicklung
in sich fühlt, und ist es doch, wenn
der Einfluß seiner Berühmtheit und Erfahrung
jüngeren Kräften die Aufgaben raubt. Hier,
Baumeister Solneß, heißt es, der Kunst dienen,
leben lassen, ja fördern, was ans Licht kommt
und nach Betätigung schreit!

Die Fachwelt allein kann darin eine wahrhaft
segensreiche Ordnung schaffen. Ohne auf
eignes Wirken zu verzichten, sind die reifsten
Kräfte berufen, vornehmlich als künstlerisches
Gewissen, als Berater der Fachwelt wie der
Nation zu wirken. Die Bedeutung, zu der sich
das Bauwesen erheben muß, macht besondere
Einrichtungen notwendig. Die widerstrebenden
Interessen, dargestellt durch Auftraggeber und
Fachmann, sowie durch Behörden und freie
Baumeister, bedürfen des Ausgleiches. Was
vorher als verantwortlichste Aufgabe des Baubeamten
gekennzeichnet wurde, übersteigt oft
die Macht, die einem Einzelnen zugebilligt
werden kann. Dafür tritt die beratende Tätigkeit
der Altmeister als der berufensten Männer,
der erfahrensten Ratgeber.

Was ihnen hier an Bedeutung zugesprochen
wird, macht den Verzicht auf übermäßige eigene
Beschäftigung leicht. Dieser Verzicht aber tut der
Kunst not, damit ihre Erneuerung, ihr innerstes
Daseinsgesetz, nicht aufgehalten wird. Auch die

Nation hat ein Interesse daran, daß neue Kräfte
nicht zu lange im Dunkeln harren müssen.

In diesem Sinne mag die Fachwelt an ihrem
Aufbau ändern und arbeiten, damit sie vor
ihrer hohen Pflicht bestehen kann. Die Kräfte
besitzt sie. Ein großes Grab schien der Krieg
zu sein, das alle Pläne und Ideen aufnahm.
Doch hat gerade der große Riß befruchtend
gewirkt. Dem langsamen Vorwärtsdämmern,
dem kleinlichen Raschzufriedensein machte die
unfreiwillige, aufgezwungene Pause ein Ende,
gab dem Berufenen den Abstand von früherer
Arbeit und ließ ihn dem Urgrund seines
Schaffens und Seins wieder nahekommen. So
mag die Kunst aus der Asche neu erstehen,
verjüngt nach langer Entbehrung, erhöht durch
den großen Maßstab ihrer Betätigung, beseligt,
weil sie das Heil des Volkes bringt!

Dr.-Ing. A. Gellhorn
(Schluß folgt)

LESEFRÜCHTE

Rickert hat einmal gesagt, fliegen zu lernen sei
keine Kulturtat. Max Lenz sagt ähnlich von der
Erfindung der Buchdruckerkunst, sie habe an sich
keine neuen Gedanken in die Welt gebracht. Unsere
Zeit beginnt, solche Aussprüche nicht mehr zu
verstehen. In der technischen Leistung als solcher
sieht sie die Tat und den Gedanken. Sie macht keinen
Wertunterschied mehr zwischen der technischen
und der rein intellektuellen Leistung. Ja, unsere
Jugend wird heute einer großen Erfindung ein stärkeres
Interesse entgegenbringen, als einer anderen
Schöpfung des Menschengeistes, die Selbstzweck
bleibt. Darum ist es doppelt als eine Unterlassungssünde
anzusehen, wenn die Erziehung der Schule
versäumt, auf dieses brennende Interesse einzugehen
und ihm die rechten Mittel und Wege zur Betätigung
zu eröffnen. Fritz Schumacher

JOSEF GANGL □ WACHSSTOCK: HEILIGER GEORG

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