Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 40. Band.1919
Seite: 198
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ludw. enders □ vollbilder zu ludwig schlegels ,,lucinde". verlag g.w. dietrich, münchen

KÜNFTIGES BAUWESEN

EIN PROGRAMM (Schluß)

Wie sich im einzelnen die neuen Aufgaben und
Gesichtspunkte in die Tat umsetzen werden,
soll nicht untersucht werden. Die praktische
Arbeit wird hier Antwort geben. Manches
spiegelt sich schon in den Fachschriften, die
sich bereits lebhaft mit den Baugesetzen, der
Organisation, den wirtschaftlichen und technischen
Folgerungen befassen. Da aber mit
der aus der Not der Zeit geborenen Aufgabe
der Siedelungen nicht alles erschöpft ist, was
das Bauwesen von der neuen Zeit zu erwarten hat,
so muß auch auf seine anderen Fächer eingegangen
werden. Zu einem Gemeinwesen gehören
öffentliche Bauten aller Art, große Anlagen
sowohl wie Kleinkunst. Hier können
sich alle Kräfte ausleben, die im Wohnungsbau
keine Betätigung finden. Es wird sich nur
fragen, wie weit dabei Lust am Gestalten bei
der Beschränktheit der Mittel zur Geltung
kommen wird.

Die Lust am Gestalten ist kein verantwortungsloses
Spiel, sondern in der Natur des Menschengeschlechtes
begründet. „Das edle Geschöpf
schafft sich Schönheit" (Rathenau). Schönheit
aber kann nur sein, wo die Form im Einklang

mit dem Geist des Ganzen steht. Und dieser
wird notwendig zu einer Gestaltung führen, die
alle Sehnsucht nach Schönheit gerade im klaren
Ausdrucke des Wesentlichen erfüllt, frei von
unsachlichem Aufbau und Aufputz, aber auch
nicht beschränkt auf die primitive Urform.
Vielmehr beginnt die Kunst erst dann, wenn
eine höhere Idee, die Konzeption des Baugedankens
, aus der Gestaltung spricht.

Vor dem großen Rückschläge der kriegerischen
Ereignisse galt als eine der vornehmsten Aufgaben
der Baukunst, die Größe des Weltkrieges
in monumentalen Bauten auf die Nachwelt
überkommen zu lassen. Dem Geiste einer verflossenen
Zeit entsprachen alle die Pläne von
Denkmälern und Kultbauten mit künstlich
konstruierten Aufgaben, ja einer ganzen „Friedenstadt
" mit allen möglichen Vollkommenheiten,
wobei man sich fragen mußte, warum man
diese Vollkommenheiten nur einer Stadt gönnte,
statt überall danach zu streben, wo an Bauaufgaben
herangegangen wird.

Der Geist unserer Zeit ist umfassend. Ihn
der Nachwelt in Bauten von bleibender Gestalt
zu übermitteln, ist ein gesunder Wille. Gerade

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