http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0308
sein. Nur dann wird er im geschilderten Sinne
verwendet werden können. Aber mehr als seine
etwas trockene, registrierende und beschreibende
Darstellung müßte der bisher wenig und
selten richtig geschaffene Propagandafilm gepflegt
werden, der in die Handlung eines ernsten
oder heiteren Stückes das Werbemoment
für das, was propagiert werden soll, einschließt
und die Werbung so gleichsam unterirdisch
und dem Zuschauer unbewußt wirken läßt.
So könnten alle die Bestrebungen des Werkbundes
, des Dürerbundes, des Heimatschutzes,
des Wohnungs- und Siedlungswesens, volkstümlicher
schöner Literatur und Kunst und
vieles andere, das zur Höherentwicklung der
Menschheit beitragen will, einer großen Menge
durch das Kino lebendig vor Augen geführt
werden und das bisher meist nicht einer wahren
, sondern leider vielfach einer Afterkunst
und Unkultur dienende Lichtspiel in den Dienst
wirklicher, künstlerischer Kultur gestellt werden
. Ganz gelingen wird dies jedoch nur dann,
wenn der Gedanke des geschmacklich und
ästhetisch hochstehenden Films sich nicht
allein auf den sogenannten „Kulturfilm" — und
was ist unter diesen Namen schon alles mitunterlaufen
! — beschränkt, sondern das Streben
nach kultureller und künstlerischer Durchdringung
sich auf alle Laufbilder überhaupt
erstreckt. Erst wenn ein jeder Film bis in die
kleinsten Einzelheiten nicht nur der Handlung,
sondern auch der aufgenommenen Gegenstände,
Räume, Häuser, Bauten, Straßen, Landschaften
nur von dem Standpunkt des künstlerisch
und sittlich Einwandfreien geschaffen werden
wird, kann Lichtspiel und Kino seine Aufgabe
voll erfüllen, das vornehmste Werbemittel für
eine ästhetische und ethische Kultur zu werden
, wozu es berufen ist. An der Vervollkommnung
der lebenden Photographie in dieser
Richtung zu arbeiten und ebenso die technischen
Möglichkeiten von Lichtbild und Film,
von Bildwerfer und Lichtspielapparat zur
Werbung für künstlerische Gedanken und
Werke in weitesten Kreisen des Volkes auszunutzen
, sollten alle weit mehr als bisher sich
angelegen sein lassen, die es ernst meinen mit
einer wahren Volkskunst, die eine breite
Grundlage des Verständnisses für Kunst, Kunstgewerbe
und Handwerk bei den Massen als dem
Boden erhoffen, aus dem eine neue Kultur erwachsen
kann. Dr.-Ing. AlfredWiener
AUSSTELLUNG FÜR BAU- UND
KLEINSIEDLUNGSWESEN
Die Breslauer Messe-Gesellschaft m. b. H. plant
für die Zeit vom 15. —31. August eine Ausstellung
für Bau- und Kleinsiedlungswesen mit Sonderabteilungen
für Inneneinrichtung, Bekleidung, Sport
und Spiel. Es steht dafür das Ausstellungsgelände
im Scheitniger Park mit dem großen Ausstellungsgebäude
und der Jahrhunderthalle zur Verfügung,
so daß sie sich keine zu engen Grenzen zu setzen
braucht und alles berücksichtigen kann, was dazu
beizutragen vermag, die verhängnisvollen Folgen
der allzulangen Unterbrechung jeder Bautätigkeit
zu beseitigen, den in Frage kommenden Gewerben
wieder lohnende Arbeit zu schaffen und der großen
Masse der Bevölkerung alle die neuartigen Bauweisen
und Baustoffe vorzuführen, die trotz aller
Schwierigkeiten in der Beschaffung von Rohstoffen
das Bauen in den unbedingt notwendigen
Grenzen wieder ermöglichen sollen. Vom rohen
Baustoff ausgehend soll alles gezeigt werden, was
zum Bau, zur Einrichtung und zum Schmuck eines
gesunden und behaglichen Heims im weitesten
Sinne erforderlich ist. Als ergänzende Abteilungen
sind Gartenanlagen, Straßen- und Wegebau, Baugeräte
und Maschinen, Bauwissenschaft vorgesehen.
JOSEF MADLENER
FIDELE GESELLSCHAFT
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