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ARCH. HERM. MUTHESIUS □ DER MITTELHOF IN NIKOLASSEE: ANSICHT DES WIRTSCHAFTSFLÜGELS
DER MITTELHOF IN NIKOLASSEE
Bei dem auf diesen Seiten vorgeführten Landhause
, dem „Mittelhof" in Nikolassee, gingen
Architekt und Bauherr davon aus, jeden
äußeren Aufwand, ja selbst jede architektonische
Hervorhebung des Hauses zu vermeiden.
Das Haus sollte als nichts anderes erscheinen
, als eine bescheidene Unterkunftsstätte.
Die Bescheidenheit des Äußeren des Hauses
war nach dem Wunsche des Bauherrn der
Leitsatz für die gesamte Gestaltung. Wie
die in den Kolonialländern gebauten Häuser
der europäischen Ansiedler sollte das Haus
weiträumig angelegt und in jeder Beziehung
aufs bequemste eingerichtet werden, dabei breit
auf dem Boden lagern und eine innige Verbindung
mit dem umgebenden Garten eingehen.
Dies führte zu einer durchweg eingeschossigen
Anlage, bei der auch alle Schlafzimmer ebenerdig
und zwar zur Seite der Wohnräume angelegt
wurden.
Zu dieser grundsätzlich eingeschossigen Anlage
gab im übrigen auch die Art des Bauplatzes
Veranlassung. Auf einem herausgeschobenen
Tafelland des Rehwiesenrandes, das
mit besonders schönen, alten, dickstämmigen
Kiefern bestanden war und eine ausgezeichnete
Aussicht in den Rehwiesengrund nach zwei
Seiten bot, mußte es sich darum handeln, vor
allem die herrlichen Randkiefern zu erhalten.
Die Genehmigung zur Ansiedlung auf dem noch
nicht dem Bebauungsplan einverleibten Platz
war nur unter der Bedingung erteilt worden,
daß die landschaftliche Schönheit erhalten blieb.
Da die Bäume eine bedeutende Höhenentwicklung
aufwiesen, wurde die Aussicht aus den
Zimmern eines eingeschossigen Hauses unter
den Zweigen der Bäume hinweg nicht behindert
; ja sie mußte sich dabei noch insofern
verbessern, als das Landschaftsbild durch
die im Vordergrunde stehenden Baumstämme
aufs wirkungsvollste eingeteilt und eingerahmt
wurde.
Dekorative Kunst. XXII. 10. Juli 1919
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