http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0329
HEINRICH HÖNICH-MÜNCHEN
AN DAS MOOR! (RADIERUNG)
HEINRICH HÖNICH
Die Kunst der letzten Jahrzehnte, soweit sie
mit dem Impressionismus zusammenhing,
also ihr überwiegender Teil, hielt an dem Dogma
fest, daß jede künstlerische Anschauung und
somit alles künstlerische Schaffen von der Farbe
beziehungsweise dem Licht den Ausgang nehmen
müsse. Diese Theorie übertrug sich auch
auf die Graphik, die in dem Bestreben, die Gegensätze
von Licht und Dunkelheit möglichst
stark zu betonen, die Form oft so sehr vernachlässigte
, daß bis zu ihrer fast vollständigen
Auflösung in die reine Abstraktion Schwarzweiß
meist nur noch ein Schritt war. Heute
hat sich das in der Malerei und ebenso auch in
der Graphik vielfach in sein Gegenteil gewandelt
. Die Form ist nun Anfang und Ende des
künstlerischen Wollens, aber nicht eigentlich
die Naturform selbst, sondern eine Art Destillat
aus der Natur, das leider in der Regel
alle direkten und indirekten Beziehungen zu
seinem Urbild verloren hat.
Es ist selbstverständlich, daß im Bereich die-
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