Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 40. Band.1919
Seite: 301
(PDF, 113 MB)
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HEINRICH HÖNICH

BÜCH ERZEICH EN

zen wirken. Die figürlichen Staffagen, die Hö-
nich gerne und in der deutlichen Absicht, sie
die Natur miterleben zu lassen, zur Raumbelebung
verwendet, fügen sich zwanglos und
selbstverständlich dem Rahmen ein, bilden
einen Teil der Landschaft und tragen, da sie
dem Beschauer meist den Rücken zuwenden,
dazu bei, daß der Blick sich nicht im Vordergrunde
verstrickt, sondern sanft, aber energisch
in die Tiefe gezogen wird.

Die Arbeitsweise Hönichs, der ein Motiv mit
der Zähigkeit und Nervenlosigkeit der alten
Meister anpackt und es nicht wieder losläßt,
bis es das letzte Erreichbare hergegeben hat,
macht es begreiflich, daß es von diesem offenen
Realisten und heimlichen Phantasten nur verhältnismäßig
Weniges gibt. Dafür ist jede seiner
Arbeiten (z. B. die Radierungen: Mutter
und Kind in Berglandschaft, Winterabend, das
Moor, die Zeichnungen: der Alphornbläser,
der Dichter und eine Anzahl besonders schöner
Blätter aus den drei leider kaum bekanntgewordenen
Kriegsmappen) ein Kapitalblatt im
Sammlersinn, und es ist am Ende Sache des
Betrachters, ob er das Gegenständliche oder
das Künstlerische, die Idee oder die Technik
Hönichs, die ihre Mittel stets aus dem Charakter
des Motivs bildet, höher werten will.

Fast das gleiche gilt von seinen Lithographien
, die in der Beherrschung des spezifisch
Technischen der Steinzeichnung den Radierungen
vollkommen ebenbürtig sind, was den nicht
wundern wird, der weiß, daß Hönich ur-
sprünlich Lithograph gewesen ist. Neben

verschiedenen landschaftlichen Blättern
interessieren unter seinen Lithographien
besonders sein Selbstporträt
(aus früheren Jahren), ein
Porträt seiner Mutter und eines
Kurt Eisners, das aus der jüngsten
Zeit stammt. Diese Arbeiten sind
viel flotter und „schmissiger" im
Strich als die Radierungen und Federzeichnungen
und erinnern überhaupt
kaum in irgendeiner Beziehung
an diese. Aber auch hier
ist es wie bei allen anderen Arbeiten
Hönichs das Selbstverständliche
, Gewachsene, das aus dem
Motiv und der Technik sich gewissermaßen
von selbst Ergebende,
das zwingend wirkt und uns mit Erfolg
zu bereden weiß, daß eine andere
Art der Darstellung in diesem
besonderen Fall nicht möglich gewesen
wäre. Man möchte nun meinen
, daß der Realismus und die
„Naturgebundenheit" Hönichs diesen
daran hindern müßten, auch auf dem Gebiet
der dekorativen Graphik (der Gebrauchsgraphik
insbesondere) Zweckentsprechendes zu
leisten. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall.
Massenproduktion ist ja Hönichs Sache auch auf
diesem Gebiete nicht, aber er hat gute Plakate, Urkunden
, Reklamesachen aller Art und außerdem
etwa zwei DutzendExlibris gezeichnet und radiert,
die zu den schönsten gehören, die man sehen
kann. Sie sind reich an geistvollen und witzigen
Einzelheiten, wie sie die Besitzer solcher
Blätter lieben; aber alle diese verschiedenen
Bezüglichkeiten sind, anscheinend mühelos, zu
einer Einheit zusammengeschlossen, deren dekorativen
Wert und Eindruck auch der Realismus
der Darstellung nicht verringern oder beeinträchtigen
kann.

*

Es wird vielleicht noch interessieren, daß
Hönich die Akademien in Dresden und Prag
besucht, dann ein ziemlich unstetes Wanderleben
, manchmal weit abseits von der Kunst,
geführt hat und seit 1906 in München lebt. Daß
er freilich in diesen dreizehn Jahren zum Münchner
Künstler im traditionellen Sinne des Wortes
geworden wäre, wird man nicht behaupten
können. Er ist, abgesehen von dem untilgbaren
Rest des Österreichertums in seiner Kunst,
immer er selbst geblieben. Und daß er zu den
heute so unendlich Seltenen gehört, die nur
machen, was sie freut und wozu es sie drängt,
das wollen wir, auch in der sicheren Erwartung
kommender Werke von Rang, noch besonders
anmerken. Richard Braungart

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