http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0341
HARRY MAASZ-LÜBECKO AN DIETERRASSENMAUER ANGELEHNTE GARTENTREPPE
Auch für den kleinen Garten sind Mauern wert-
L voll, denn sie nehmen der Gartenfläche keinen
Platz fort, wie das die Rasenböschungen tun, und
geben überdies Gelegenheit zur reichen Bepflan-
zung mit blütenreichen Blumen, die infolge ihrer
schräg zur Sonne geneigten Lage kraftvoll und
üppig gedeihen können. Die etwas geneigten
Mauern vergrößern den Garten um ihren Flächeninhalt
, der sich aus ihrer Länge und Höhe ergibt,
zum Besten der Blumen, über deren Mangel sich
der Gartenbesitzer mit Recht so oft beklagt. Sie
sind besonders dort vorteilhaft, wo tagsüber reichliches
Sonnenlicht hingelangt, und dienen dann
zur Aufnahme von Blumen, die in kleineren und
größeren Polstern aus den Fugen quellen und die
Mauerflächen mit den buntesten Farben überschütten
. Die Blumen einer Gartenmauer gehören
zu den farbenprächtigsten Gebilden, die je die
Natur im Garten hervorbringt. Wo es irgend
möglich ist, sollte man auf eine Mauer für diese
Polsterblüher nicht verzichten. Die Steine werden
mit Erdreich, Lehm oder Grassoden locker auf
einander gemauert und die Fugen entsprechend
stärker gehalten, damit die Pflanze den für ihr Gedeihen
notwendigen Nährboden vorfindet. Wichtig
ist, daß das Mauerwerk nicht senkrecht, sondern
leicht nach hinten geneigt angelegt wird,
damit selbst die gringste Wassermenge bei Sprengung
oder Regen den Pflanzen zugute kommt;
auch erhält die Steinmauer durch diese schräge
Lagerung innere Festigkeit. Tiefwurzelnde Stauden
und Farnkräuter werden mit dem Erdreich
zugleich hineingesenkt, kleinere, flachwurzelnde
Gewächse nach Fertigstellung des Mauerwerks
in die Fugen geschoben, oder man knetet den
Samen von Mauerblumen in Lehmkügelchen und
schmiert mit ihnen die Fugen aus. Der Samen keimt
bald und die Pflänzchen fassen im Mauerwerk Fuß.
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