http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0375
DAS GEBÄUDE DER LEBENSVERSICHERUNGSBANK
ARMINIA IN MÜNCHEN
Die Lebensversicherungsbank Arminia in München
hatte zwecks Erlangung von Entwürfen
für einen Neubau ihres Bankhauses zu einem
engeren Wettbewerb eine kleine Reihe hervorragender
deutscher Baukünstler eingeladen. Die
Preisrichter entschieden sich für das Projekt
des Charlottenburger Professors German Bestel-
meyer, das inzwischen mit den üblichen leichten
Abänderungen, die zwischen Vorprojekt und
definitiver Bauausführung unerläßlich sind, in
Erscheinung trat und München um ein bemerkenswertes
, vornehmes Bauwerk bereicherte.
Für das Gebäude einer Versicherungsbank
sind andere Bedingtheiten gegeben als für das
einer Geldbank. Die Lage im Stadtzentrum ist
nicht Voraussetzung und die weite Aufgeschlossenheit
für den ständig flutenden Klientenverkehr
, die Gruppierung des ganzen Bauwerkes
um den Kassenschalterraum, der sich schon
in der äußeren Struktur des Gebäudes abzuzeichnen
hat, kann vermieden werden, d. h. die Bauforderung
läßt eine intimere Gestaltung zu:
dem lauten Treiben der City entrückt, nach
außen hin als Baumasse geschlossener auftretend
, auch im Inneren ruhiger und intimer
durchzugestalten als die Geldbank, stellt sie
den Baukünstler vor eine in ästhetischer Hinsicht
reizvollere Aufgabe.
Bei dem Neubau der Versicherungsbank
Arminia trafen diese Momente in besonders
prägnanter Weise zusammen. Die Lage des
Hauses im Stadtbild, an der ludovicianischen
Barerstraße, nahe dem vornehmen Karolinenplatz
, rückt das Gebäude in eine Nachbarschaft
, die durch die klassizistischen Bauwerke
K. v. Fischers und Klenzes bestimmt ist und
zur Mäßigung in den äußeren Mitteln, zur
Betonung harmonischen Linienflusses, zur Unterstreichung
klarer Verhältnisse geradezu herausfordert
. Es fehlt auch nicht an Naturgrün
in dieser Umgebung, ein freundlicher Umstand,
mit dem der Baukünstler besonders im Hinblick
auf die farbige Haltung der Fassade
rechnen durfte. Der Münchner Bautradition, die
ARCH. GERMAN BESTELMEYER
LEBENS VERSICHERUNGSBANK „ARMINIA"
IN MÜNCHEN: BEAMTENEINGANG a
Dekorative Kunst. XXII. 12. September 1919
345
46
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0375