Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 8
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0020
Pariser Aufenthalt den Gewinn, in Paris im
Musee Napoleon die erlesensten Kunstwerke
Europas, „Spolien des letzten Krieges", wie er
sich diesem geraubten Kunstgut gegenüber sehr
vorsichtig ausdrückt, beisammen zu finden und
sich, mit der vom Herzog von Anhalt bei Denon
erwirkten Erlaubnis, ihrem Studium unbeschränkt
hingeben zu können. Damals ward den Brüdern
Olivier (Heinrich war inzwischen nach Paris
nachgekommen) von ihrem Herzog ein doppelter
, in seinem Wesen gründlich verschiedener
Auftrag. Zunächst sollten sie gemeinsam
ein lebensgroßes Reiterbildnis des Kaisers
Napoleon malen, sodann für die vom Herzog
wieder in Stand gesetzte gotische Kirche in
Wörlitz Gemälde schaffen, die im strengen alten
Kirchenstil gehalten sein sollten. Die Schätze
des Museums leisteten den Brüdern bei dieser
Arbeit gute Dienste, es entstand ein Abendmahl
und eine Taufe Christi in fleißiger Arbeit
, Gemälde, die zwar nicht von hoher Eigenart
künden (was sie ja auch dem Wunsch
des Bestellers gemäß gar nicht sollten), dagegen
von absoluter Beherrschung des Handwerks. Das
soll auch bei dem Napoleon-Bildnis der Fall gewesen
sein, dem die Zeitgenossen außerdem unbedingte
Porträttreue nachrühmten. Drei Jahr e etwa
lebten die Brüder Olivier in Paris. Die zeitgenössischen
Franzosen — man denkt an David,
Prud'hon usw. — traten ihnen weder persönlich
noch künstlerisch nahe und sie nicht jenen : was sie
in Paris lernten, kam von ewigeren Meistern, kam
von den alten Meistern der Galerie. Das wirkte
nach und blieb ein unverlierbarer Schatz für die
spätere Zeit, die Ferdinand Olivier zunächst in
Dessau, dann seit dem Sommer 1811 in Wien sah.

In Wien gefiel sich Olivier über die Maßen.
Die Stadt war nicht nur politisch so etwas wie
eine Freistatt und das Symbol der Hoffnung
für die unter dem napoleonischen Druck schwer
seufzenden Deutschen, auch im Bereiche der
Kunst regte sich's, und die alte Kaiserstadt war
eben daran, auf diesem Gebiet Dresden die Führung
streitig zu machen. Man darf nicht vergessen
, daß die Nazarener, ehe sie sich in Rom
zu einer geistigen Gemeinschaft zusammenfanden
, in Wien lebten und arbeiteten, daß dort
vor allem in Eberhard Wächter eine die Masse
der Künstler dieser Zeit hoch überragende Persönlichkeit
am Werke war, allerdings hatte er

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