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FERDINAND VON OLIVIER
Graphische Sammlung, München
DIE FURT (ZEICHNUNG)
schaft suchte er überall ein solches Verhältnis
zwischen beiden zu ermitteln, wonach jene nicht
als zufälliges Beiwerk (Staffage) erschienen, sondern
stets enge mit der Idee verwebt waren".
Olivier sprach es mit diesen Worten selbst aus,
daß er die „Staffage", die die Landschaften der
Vedutenmaler beherrschte, ablehnte und auf die
Harmonie von Figur und Landschaft hinzielte.
Erst aus dem Zusammenklang von Mensch und
Landschaft erwächst in seinen Landschaften die
Stimmung, die meistens ein wenig melancholisch
, wehmütig oder doch zumindest elegisch
ist. „Man glaubt den Ton des Waldhorns der
jüngeren Romantik zu hören", sagt Hamann
vor Oliviers Bildern und denkt an die Stimmung
, die von den Figürchen ausstrahlt. Er
hatte dabei besonders das wunderschöne Klosterbild
Oliviers im Leipziger Museum im Auge,
das bekannteste der Werke des Künstlers, das
schon auf der Jahrhundert-Ausstellung in Berlin
auffiel und für den fast fremd gewordenen,
nur mehr einem ganz engen Kreis von Kunst
freunden bekannten Mann warb. Nicht minder
könnte die Anmerkung gelten für das schöne,
etwas italienisch, giorgionesk anmutende Bild mit
dem Reiter, der sitzenden Frau, dem Bambino
und den Schäfchen, das sich in Leipziger Privatbesitz
befindet und zu dem eine interessante
Entwurfszeichnung in Wien existiert: sie und
andere Zeichnungen Oliviers geben interessanten
Einblick in seine Werkstätte, lassen erkennen,
wie sich eine Bildvorstellung bei ihm aus den
weich und breit hingeschummerten Linien, die
sich fast ornamental verschnörkeln und — gemessen
an dem klaren Konturstrich der Na-
zarener — merkwürdig phantastisch erscheinen,
aufbaut und zur Klarheit durchringt.
Der früheren, d. h. der besten Zeit Oliviers
gehören die Bilder im Städel - Museum in
Frankfurt und in der Dresdener Galerie an.
Das Frankfurter Bild ist beherrscht von der
wundervollen Eurhythmie der säulenhaft aufsteigenden
Baumstämme und der die strengen
Vertikalen leicht auflösenden und zugleich auffangenden
und wieder betonenden Gestalten der
Pilger. Es ist etwas Musikalisches in dem Bild.
Man fühlt sich an die schweren Takte des Pilgerchors
in Tannhäuser erinnert — indessen
entstand das Bild lange vor Wagners Musikdrama
. Das Dresdener Bild versetzt wieder in
die Salzburger Gegend — die Gestalten, die es
beleben, die kränzewindende Frau und die Lustwandelnden
, betonen glücklich die Festlichkeit
und klare Frische der Gegend, der Olivier auch
einen prachtvollen Zyklus von Lithographien
verdankt, auf dem er, vor Salzburger oder Berch-
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