Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 15
(PDF, 126 MB)
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THOMA-MEDAILLE
AUS DER KUNSTPRÄGEANSTALT B. H. MAYER, PFORZHEIM

ZU HANS THOMAS ACHTZIGSTEM GEBURTSTAG

Unsere Zeitschrift hat das Schaffen des deutschen
Meisters Thoma, der, immer noch
schaffensfroh und schöpferisch reich, nunmehr
in das tizianische Greisenalter tritt, je und je
durch wiederholte Veröffentlichungenbegleitet.*)
Nicht eine Seite seines künstlerischen Gesamtwerkes
, weder die Malerei, noch die Graphik,
noch die vielseitig entwickelten kunstgewerblichen
Arbeiten sind von ihr übersehen oder
der Leserschaft in Bild und Wort vorenthalten
worden. Allzeit wurde in illustrierten Sonderaufsätzen
, in Einzelabbildungen und Besprechungen
die Vermittlung des Thomaschen Kunstgutes
an das kunstfreundliche deutsche Volk
hier bewirkt. Darum darf heute der Name Thomas
und ein Hinweis auf die Bedeutung seines
Schaffens für unsere Zeit hier nicht fehlen.

Zwischen 1839, der friedlichen seelenvollen
Biedermeierzeit, und 1919, der streiterfüllten
seelenlosen Zeit der Weltunruhen, liegt Thomas
Leben und Schaffen, ein ruhender Fels im
brandenden, brausenden Zeitstrom, eine von
naturhafter Gelassenheit und Folgerichtigkeit
umstrahlte Auswirkung einer Eigengesetzlichkeit
. Die allzeit charakterfeste Bewahrung und
Herausbildung seiner unvergleichlichen Eigenart
in all den künstlerischen Strömungen und
Kämpfen, den Versuchen und Irrungen im deutschen
Kunstleben, die Einfachheit und Natürlichkeit
seines Wesens und Schaffens im Gegensatz
zu der oft ins Barocke übersteigerten Empfindung
und Bildnerweise vieler Zeitgenossen —
die wahrhaft fromme Inbrunst, mit der er seine

*) Wir verweisen auf unsere früheren illustrierten Aufsätze
über Hans Thoma: 1897 Juliheft, 1904 Aprilheft, 1909 Oktoberheft
und 1917 Aprilheft. Als Ergänzung zu diesen Aufsätzen
geben wir bei dieser Gelegenheit eine Anzahl der schönsten
Handzeichnungen des Künstlers wieder. D. Red.

Gesichte gestaltete, Natur und Menschliches
umfaßte und in ein höheres Geistiges hob: das
hat ihn zum Deuter und Künder der im deutschen
Volke waltenden Eigenschaften und Kräfte,
zum Schöpfer jener edlen Volkskunst gemacht,
die ebenso alle Seiten deutschen Wesens zum
Ausdruck bringt, wie sie eindringlich, rein und
beglückend zu allen Schichten der Gesamtheit
spricht. In der kindlichen Unbefangenheit der
Welt gegenüber, in der männlichen Reinheit und
Klarheit seines Schauens, in der seelenvollen
Hingabe an das Werk, in der unbeirrbar festen
Herausgestaltung seiner Persönlichkeit, in der
harmonischen Ineinsbildung von Natürlichkeit
und Vergeistigung und in der wundersamen
Beseelung seines Werkes liegt der neue, große,
deutsche Humanismus seines Schaffens. Auf
dieser Kurve schwingt sich der „geborene Realist",
als der sich Thoma selbst bezeichnet hat, zu
dem ungesuchten Idealismus empor, der in der
Zusammenfassung und Sichtbarmachung der
Eigenschaften eines Volkes liegt. In diesem Betracht
ist Thoma eine einzigartige Gabe Gottes
an das deutsche Volk zur Zeit seiner größten
Not. Wo immer in der deutschen Kunst, im
Schauen, Empfinden und Gestalten das schlichte,
unverfälschte deutsche Wesen gesucht wird, ist
es bei Thoma zu finden. Hier liegt Thomas
Verwandtschaft und Verbundenheit mit den
deutschenAltmeistern,wiemit seinen Zeitgenossen
und Vorgängern. Damit hat auch er das mit
heimatkünstlerischen Werten unterströmte Werk
ins Weltbild erweitert. So grüßen wir den greisen
Meister nicht nur als einen Klassiker der
deutschen Kunst, sondern auch als einen Vertreter
des Deutschseins der Welt gegenüber.

Jos. Aug. Beringer

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