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JULIUS HÜTHER
Münchner Glaspalast-Ausstellung
NEGER AUS KONGO
dert) und der „Herkules" von Edwin Scharf?
(Gegenwart). In beiden Fällen liegt alles Phy-
siognomische, überhaupt alles, was der Künstler
uns zu sagen hat, in der solcher Art beseelten
Gesamtlinie, die entsprechend nach Möglichkeit
gedehnt und mit hier oder dort einsetzenden
„Fermaten" betont ist. Und so ist der Kopf
nichtnur jeder physiognomischen Sonderfunktion
enthoben, sondern mit Vorbedacht ist darauf acht
genommen, daß er kein Eindrucks-Übergewicht
erhält, sondern sich dem durch die ganze Figur
fließenden Gesamtlinienspiel bescheiden fügt.
In der Kraft der Linien, der Bestimmtheit
der Konturen, dem Ineinander- und Gegen-
einanderspiel von Vertikalen, Horizontalen und
Diagonalen liegt das Geheimnis der mächtigen
Wirkung der Kunst eines Martin Schongauer.
Seine Kolmarer „Madonna im Rosenhag", seinen
Kupferstich der „Großen Kreuztragung"
betrachte man daraufhin ! Daß die Kraft der
Linienführung, das Gegenspiel der Vertikalen,
Horizontalen und Diagonalen ein allerhaupt-
sächlichstes Wirkungsmittel der meisten modernen
expressionistischen Maler darstellt, ist
unbestreitbar. Wie wesentlich hierauf die Kunst
des für das Vaterland gefallenen Führers der
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