http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0054
Geschichte spielt im 18. Jahrhundert — umschließt
das Ganze. Des Landvog\s fünffach
benarbtes Herz bildet, wie sich's gehört, das
Zentrum der Komposition. Die fünf Körbe,
die er sich von seinen fünf Flammen geholt,
zieren artig den Rahmen; Degen, Pinsel und
Auge des Gesetzes deuten auf den Soldaten,
den Maler und den Richter, also auf die drei
„Metiers" Landolts. Vier von den fünf Damen,
die Landolt nach seiner Gewohnheit mit Vogelnamen
belegt hatte, sind als Vöglein dekorativ
„verwertet"; der fünfte aber, der „Hanswurstel",
guckt ganz oben, kaum zu entdecken, durch
den Degenknauf auf alle die hübschen und anzüglichen
Dinge, die sich da so einträchtig zusammengefunden
haben.
Man sieht an diesem Beispiel, wie Coßmann
bei seinem illustrativen Bemühen zu Werk gegangen
ist. Vielleicht findet mancher die Methode
ein wenig ungewöhnlich; aber er wird zugeben
müssen, daß sie sehr beweglich und außerordentlich
reich an Möglichkeiten ist. Abgesehen
vom Landvogt, hat also Coßmann auf
diese Weise jeder der fünf Schönen und außerdem
der Wirtschafterin Marianne ein gar vielsagendes
graphisches Symbol, gewissermaßen
ein modernes Phantasiewappen, mit auf den
Weg gegeben. Ferner haben noch die Zusammenkunft
der Damen auf Schloß Greifensee,
die Ehelöffelepisode aus der Gerichtssitzung und
der Tod der drei Hauptpersonen die Anregung
zu je einem gesonderten Blatt gegeben. Bei
keinem einzigen aber spürt man, trotz der Gebundenheit
durch Format und Stil, auch nur
den geringsten Zwang eines Schemas. Die Hinweise
wie die ernsten und heiteren Anspielungen
ordnen und formen sich anscheinend
von selbst zu einem organischen Ganzen, das
auch absoluten Wert und Reiz genug hat, gar
nicht zu reden von der unnachahmlichen Feinheit
und Sauberkeit der Nadelarbeit, die für
Coßmann immer schon charakteristisch gewesen
ist und in diesen Blättern einen, wie man
meint, nicht mehr zu überbietenden Höchstgrad
erreicht hat.
Im übrigen mag erlaubt sein, von einer wei-
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