Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 39
(PDF, 126 MB)
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teren Erklärung dieser köstlichen Radierungen
Abstand zu nehmen. Das oben des näheren geschilderte
Beispiel dürfte jedem Fingerzeig genug
sein, wie er die übrigen neun Blätter an der Hand
der Novelle betrachten soll. Und es ist ohne
weiteres anzunehmen, daß es dem Geschickten
wie dem weniger Gewandten ein großes Vergnügen
machen wird, alle Einzelheiten der
„imaginären Porträts" der Dargestellten zu erforschen
und in ihren Zusammenhängen zu begreifen
. Für solche, die Coßmann nicht genauer
kennen, sei noch beigefügt, daß er 1870 in Graz
geboren ist (seine sämtlichen Vorfahren sind
allerdings Reichsdeutsche) und daß er seit vielen
Jahren in Wien lebt, wo er auch die Schulen,
und zwar zuerst die Kunstgewerbeschule und
dann die Kunstakademie, besucht hat. Als Graphiker
ist er Schüler von William Unger, in
dessen Atelier er vier Jahre lang gearbeitet hat.
In den letzten Jahren ist eine ebenso feine wie
kleine Arbeit Coßmanns allgemein bekanntgeworden
, ohne daß freilich die allermeisten eine
Ahnung gehabt haben dürften, wer ihr Schöpfer

sei: ich meine die österreichischen Briefmarken
mit dem Porträtkopf Kaiser Karls, die mit dem
Überdruck „Deutschösterreich" auch jetzt noch
im Gebrauch sind. Man kann nur wünschen,
daß Coßmann, in dem die ruhmreiche Tradition
der österreichischen Stecherkunst sich erneut
und lebendig erhalten hat, noch öfter mit solchen
Aufgaben betraut wird. Ganz besonders
aber hofft man ihm als Illustrator bald wieder
zu begegnen. Talente wie er sind nicht so häufig,
als daß man sie feiern lassen dürfte.

Richard Braungart

Bei Betrachtung bedeutender Kunstwerke am Einzelnen
haften zu können, ist Zeichen eines mittelmäßigen
Kopfes. Dagegen ist es aber ebenfalls ein
Zeichen der Mittelmäßigkeit eines Kunstwerkes, wenn
man über das Einzelne nicht hinauskann, wenn es
sich dem Ganzen gewissermaßen in den Weg stellt.

Hebbel

Der Eindruck einer Landschaft soll sich aus den
Einzelheiten zusammenweben, nicht aus einem Hauptgegenstand
ausstrahlen, wie es bei Historienbildern
meistens der Fall ist. Friedrich Ratzel

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