Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 52
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BERNHARD MÜLLER

ERNTE

Ausstellung dei Künstlerverciniguug Dresden

kommen; die Zerrissenheit und die rohe Kraft
ist hier nicht durch monumentale Auffassung
und Wucht des Ausdrucks überwunden, wie dies
bei den entsprechenden Bildern von Grünewald
und Lovis Corinth der Fall ist. Dagegen weiß
uns Nolde durch die schlichte Innerlichkeit und
durchempfundene Geschlossenheit seiner Grablegung
recht wohl zu packen und festzuhalten.
Die Gesamtausstellung von Noldes Gemälden
ist jedenfalls wohl geeignet, uns diesen Künstler
in einer ganz selbständigen Eigenart als eine
der stärksten Persönlichkeiten der Kunst unserer
Zeit nahezubringen.

Anderer Art ist Max Pechstein. Seine Gemälde
wie Aus Palau, Mondscheinversammlung,
Rupackversammlung, Götze und Blumentopf,
Bildschnitzer aus Palau, zeigen als Proben, wie
seine Phantasie durch seinen Aufenthalt unter
den Südseeinsulanern befruchtet und bestimmt
worden ist. Mit der Primitivität dieser Menschen
außerhalb der verfeinerten Weltkultur hat
Pechstein uns die Kunst einem in anderen Breiten

gereiften Farbenempfinden herangeführt, und
man wird diese Kunst, auch wenn man über
die ethnographische Fremdartigkeit der Vorwürfe
nicht leicht hinwegkommt, gern als groß
und bedeutsam anerkennen. Mutter und Kind,
der liegende Akt, Der rote Kimono, Vor blauem
Vorhang zeigen seine Kunst eigenartiger Farbenharmonien
, der Zusammenfassung der Farben
zu geschlossener Wirkung besonders stark.
Von den übrigen Berlinern tritt noch — der
nach Breslau berufene — Otto Müller hervor:
eine liegende Frau und zwei Landschaften zeigen
eine Neigung zu lyrisch-idyllischer Auffassung
in feinen gedämpften Farben, in der seine eigenartige
Stärke beruht.

In der Plastik tritt am wuchtigsten Edmund
Möller auf. Für ein Denkmal der Freiheit hat
er drei überlebensgroße männliche Gestalten
modelliert: Aktion, Befreiung, Depression, die
er sich auf einem breitgestreckten Stufenunterbau
so angeordnet denkt, daß die stehende die
Mitte einnimmt, während die beiden anderen

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