http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0084
MAX MAYRSHOFER
SOMMERLUST
BILDERERHALTUNG DURCH GESUNDUNG DER MALTECHNIK
Es hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte
immer häufiger ergeben, daß Gemälde, die
der Staat für seine Gemäldesammlungen — oft
zu bedeutenden Preisen — erworben hatte, schon
nach wenigen Jahren große, manchmal nicht zu
behebende Schäden aufgewiesen haben, Schäden,
die in der Regel auf technische Fehler beim Aufbau
der Malerei zurückzuführen sind. Ein Gang
durch die Museen neuerer Malerei, ja sogar schon
durch die großen Kunstausstellungen läßt uns
ähnliche Beobachtungen machen und es mußten
bereits moderne Bilder nur ihres schlechten Zu-
standes wegen vom Ankauf ausgeschlossen werden
. Besonders die Vertreter der modernen Malweisen
, die vielfach ohne gediegene Vorkenntnisse
vom Handwerk ihre Kunst betreiben, begünstigen
diese bedauerliche Tatsache trotz der
Bemühungen, die sich die Gesellschaft für rationelle
Malverfahren, einzelne Akademien und
(Nachdruck mit Quellenangabe erwünscht)
Lehrer zur Gesundung der Technik geben mögen
. Daher tragen viele Bilder schon von Anfang
an den Keim baldigen Verfalls in sich.
Jährlich werden von den Einzelstaaten bedeutende
Summen für die Erhaltung der Kunstwerke
ausgeworfen, die Einrichtungen der Museen werden
tunlichst verbessert, um alle Schädlinge fernzuhalten
, neue Museen werden auf Grund der
Erfahrungen, die an älteren gemacht worden
sind, mit allen Mitteln zur Gesundhaltung ihres
Inhalts ausgestattet. Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen
werden angestellt und alle erdenklichen
Maßregeln zur Gesundung der vorhandenen
Galerieräume getroffen; erfahrene
Fachmänner von Weltruf beobachten die Bilder
und treffen beim Auftreten der geringsten Veränderung
ihre Vorkehrungen, um Schäden oder
eine weitere Verschlimmerung des Zustands
hintanzuhalten, aber trotzdem schreiten die
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