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FRITZ BEHN
RELIEF„ANDANTE"
kann als selbstverständliche Voraussetzung angenommen
werden, ebenso die Treffsicherheit
in der Wahl des Materials und des Formats für
die einzelnen Motive. Was darüber hinausgeht
und die plastischen Schöpfungen Behns in die
höheren Sphären der Kunst hineinhebt, ist dies:
daß das produktive, das seelisch stilisierte Erlebnis
in jedem einzelnen Werk steckt, und daß
sie alle zusammen, die das afrikanische Motiv
variieren, anmuten wie ein Bekenntnis zur Primitivität
, zur Urnatur, daß etwas von dem Rous-
seauschen „Weg mit dem Übermaß der Zivilisation
" in ihnen beschlossen ruht.
Behn selbst hatte Afrika Erlebnis gebracht,
Motiv, Lebensreife und Freiheit, vor allem:
künstlerische Freiheit, Loslösung von jedem
Vorbild, auch Befreiung von einem so verehrungswürdigen
Vorbild wie Adolf Hildebrand.
In dieser Stimmung und künstlerischen Verfassung
traf ihn, den von seinen afrikanischen
Erlebnissen Aufgewühlten und darum doppelt
Empfänglichen, der Krieg. Er erlebte ihn kämpfend
und schauend, das zweite große Erlebnis,
auf das er sich menschlich und künstlerisch
wieder dermaßen einzustellen wußte, daß es ihn
nicht überrumpelte, sondern daß er ihm, seelisch
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