Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 97
(PDF, 126 MB)
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JOSEPH SCHMID-FICHTELBERGS LANDSCHAFTEN

Naturgefühl ist alles. Es steht am Anfang
der Dinge, die den Landschaftsmaler machen
. Die Technik, das Handwerk kommt in
zweiter Linie. Denn die starke soziale Funktion,
die Auswirkung, die von einem Kunstwerk verlangt
werden muß, wird nicht durch den Ausdruck
, nicht durch die Form bewirkt, sondern
durch den Inhalt und die Stimmung, und wo
wäre die Stimmung als Trägerin des Bildgedankens
entscheidender als bei der Landschaft ?

Dem Impressionismus, dessen Verdienste eine
kühne, nach vorwärts treibende Zeit zu verkennen
nur allzu bereit ist, verdankt die Landschaftsmalerei
die Befreiung von der Vedute und von
der drückenden Herrschaft der Staffage. Da die
Ausdrucksform des Impressionismus sich vor
allem mit Luft- und Lichtproblemen befaßt,
dem Atmosphärischen nachsetzt und es mit
aller Gründlichkeit in das Bild einzufangen unternimmt
, so konnte und kann ihr (abgesehen
vom Stilleben) keine Provinz der Kunst so wichtig
, keine für sie so ergiebig sein als die Landschaftsmalerei
. Insofern fußen alle Landschaftsmaler
der Gegenwart auf dem Impressionismus,
mögen sie sich auch heute ganz anderer Ausdrucksformen
bedienen. Der Impressionismus
hat das landschaftliche Auge auch denen geschärft
, die heute sich ganz anderer Ausdrucksformen
bedienen. Auch wer eine durchaus „übersetzte
", stilisierte Landschaft malt oder wer mit
peinlicher Akribie die Wirklichkeit abzuschreiben
sich unterfängt, sieht durch die Mittlerschaft des
Impressionismus und seiner Schulung des Auges
in die Natur hinein. Denn der Impressionismus,
eine naturwissenschaftliche Kunstauffassung, ist
die Konsequenz der ins Geistige projizierten Optik
eines realistischen, unphantastischen Zeitalters
, ist die Art des gesunden, normalen Sehens,
mit einiger Wissenschaftlichkeit verbrämt.

Joseph Schmid-Fichtelberg, der, ohne schulische
Vorbildung und Verbildung einem wirklich
unbezähmbaren Drang seines Herzens folgend, in
Jahren, da man weiß, was man will, seine Beamtenlaufbahn
verlassend, sich der Malerei zu-

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