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J. SCHMID-FICHTELBERG
MORGEN AM GÖLLSTEIN
drucksform willenlos überließ, hat von dem
ersten Landschaftsbild an, das er malte, die
Form überwunden, indem er sein leidenschaftliches
, man möchte sagen: inbrünstiges Naturgefühl
in seine Landschaften ergoß. Es gibt
brillante, mit den Augen des Impressionismus
geschaute und mit seinen raffiniertesten Mitteln
gemalte Landschaften, die vielleicht im ersten
Augenblick anziehen, weil die Bravour der
Technik einen packt, die aber in ihrer Wirkung
bald verblassen und einem, wenn man sie öfters
betrachtet, nichts mehr zu sagen haben. Es kann
einem ein gleiches begegnen bei sogenannten
poetischen Landschaften, die durch ein Übermaß
von Stimmung, das durch Staffage und
Effekte „hervorgezaubert" wird, verstimmen,
weil man sich der Absichtlichkeit dieser Sorte
Kunst bewußt wird. Und es gibt schlichte Landschaftsbilder
, die ergreifen wie die Natur selbst,
wohl noch stärker als sie: es sind die erlebten
Landschaften, die Bilder, auf denen wirklich
ein Stück aus der Natur herausgerissen
und Bild geworden zu sein scheint. Sie übertrumpfen
die Natur, indem sie die Fülle der
Eindrücke, die im Freiraum den Naturfreund
anspringen, konzentrieren und auf eine allseits
geschlossene, runde, knappe, prägnante Formel
bringen, und überdies der Natur die eigene
Persönlichkeit, das Temperament addieren. Es
sind die Landschaften, die ganz vom Naturge-
Die Kunst für Alle XXXV.
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