http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0126
J. SCHMID-FICHTELBERG
ALPELTAL
fühl getragen sind, so sehr, daß die Brücke vom
Naturgefühl des Künstlers zum Naturgefühl des
Beschauers wie selbstverständlich geschlagen ist,
und damit die seelische Auswirkung des Bildes
ungehemmt erfolgen kann.
Dieser Art sind die Bilder Schmid-Fichtelbergs.
Man begegnete dem einen oder dem anderen der
Werke des Künstlers in den Ausstellungen der
Münchener Secession. Ganz gewiß ging man
dort nicht achtlos an ihnen vorbei. Aber aus
dem organischen Ganzen des landschaftlichen
Werkes und Schaffens des Künstlers herausgerissen
, sprechen die Bilder, die gar nicht auf
die üblichen Ausstellungseffekte „gearbeitet"
sind, sich dabei auch formatlich zu bescheiden
wissen und die dekorative Inszenesetzung verschmähen
, nicht so stark und nicht so eindringlich
, als sie sich in ihrer Gesamtheit dem Beschauer
, der sich durch ähnliche Intensität des
Naturgefühls dem Künstler verbunden fühlt, erschließen
. Als dagegen vor Jahresfrist der Münchener
Kunstverein dem Künstler einen Saal
zur Verfügung stellte und Schmid-Fichtelberg
in diesem Rahmen seine Bilder gruppieren konnte,
waren Eindruck und Auswirkung stark und geschlossen
.
Ein Stück unverbrauchter, ungekünstelter Natur
war in den Saal getragen. Man sah sich
umringt von den Prächten des Berchtesgadener
Landes, das Schmid-Fichtelberg zur zweiten
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