http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0127
J. SCHMID-FICHTELBERG
DER BERGSEE
Heimat und zur unerschöpfbaren Fundstätte
seiner Motive geworden ist. Auf der grandiosen
, von grauen Kalksteinkulissen umstellten
Schaubühne des Landes der Almweiden und
Wälder, in der würzigen Luft des hohen Himmels
und in der eindrucksreichen Umwelt des als
alter Klosterboden reich kultivierten Tales entstehen
seine Bilder; das meiste vor der Natur,
sozusagen unkomponiert, aus der Wirklichkeit
herausgerissen, durchflutet von inbrünstigstem
Naturgefühl. Fern aller Vedutenhaftigkeit steigen
diese Landschaften auf zu Symbolen. Der Ausdruck
des Atmosphärischen gelingt dem Künstler
in jedem Fall. Ohne daß die Landschaften still-
lebenhaft durchgearbeitet wären, was bekanntlich
Tschudi verlangt, findet man doch nur
selten eine flaue Stelle auf einer seiner Leinwanden
. Er fühlt seine Bilder so durch, geht
bei aller Großräumigkeit der Auffassung und
Anschauung und trotz der Breite des malerischen
Vortrags so sehr ins einzelne, daß die Möglichkeit
einer Leere im Bild fast ausgeschlossen ist.
Das Wohltuende, Sympathische an Schmid-
Fichtelbergs Bildern ist die große, tiefe, feierliche
Stille, die sie beherrscht: menschenleer,
fern dem Alltagsgewimmel, steil und stolz auf
sich selbst gestellt, ein Abbild der gestählten
Kraft des Alpenmenschen, der hart und gütig
zugleich ist. Schmid-Fichtelberg zieht die ernste
Stimmung in der Natur der liebenswürdig-heiteren
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