Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 104
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Idylle vor: das Dunkle, Schwärzliche, Tiefblaue,
Sattgrüne überwiegt. Oft hängen schwere Wolken
am Himmel, der das beherrschende Element der
meisten Landschaften Schmid-Fichtelbergs ist;
man empfindet das Pathos, das nicht gesucht,
sondern schlicht gefunden ist. Indessen stellt
sich diese ernste Stimmung bei Schmid-Fichtelbergs
Bildern nicht mit Ausschließlichkeit ein.
Er malt wohl auch einen luftigen, ganz durchsichtigen
frischen Maimorgen, wo man von
blumiger Bergwiese, über deren Rasenteppich
in diesem Jahr noch keine Sense fuhr, in das
weite Land, das sich nordwärts dehnt, hinaussieht
, eine Landschaft mit seitlich tief einfallenden
Schatten, die sich kühl und blau abzeichnen
auf dem breit hingelagerten Wiesengrün der
von Wegen und Bächen zerschnittenen, von
Äckern und Baumgruppen, Hügeln und menschlichen
Ansiedlungen aufgeteilten Ebene. Oder
er fängt einen Schlechtwettertag ein, setzt die
grauen, braunen, erdigen Töne ins Bild, das
dann wohl, dem Wunsch des Künstlers entsprechend
, etwas trist und trüb erscheint, wie
der tiefhängende, schwere Himmel darüber,

und schließlich malt er seine Schneebilder, die
nicht den schlechtesten Teil seines Werkes ausmachen
: fast feucht muten sie einen an, man
spürt ordentlich die Kälte aus ihnen heraus,
glaubt das Klirren des Frostes zu vernehmen
und fühlt, wie das rote Häuschen oder die ganze
bunte Straßenflucht, die da unter dem wuchtenden
Schnee halb vergraben liegt, Wärme und
Herdfeuer, Einkehr und Behagen versprechen . . .

So vermittelt der Tanz der Hören dem Künstler
eine unerschöpfliche Fülle von Eindrücken.
Er ist kein öder »Spezialist»; darum heißt er alle
Erscheinungen der Natur willkommen. Er will
ganz gewiß nicht der Chronist jeder möglichen
Natur- und Jahreszeitenstimmung im Berchtesgadener
Land sein, aber er ist gerne bereit, seine
Palette häufig anders aufzusetzen. Seine Anschauung
ist auf reiche Mannigfaltigkeit eingestellt.
Gefühl ist ihm alles. Es geht ihm selbst über das
Malerische im landläufigen Sinne. Ich glaube, er
unterschriebe die Äußerung Max Liebermanns:
„Nicht das sogenannte Malerische ist es, was
ich suche, sondern die Natur in ihrer Einfachheit
und Größe aufzufassen."

Georg Jacob Wolf

J. SCHMID-FICHTELBERG

HÄUSER AM DOKTORBERG IN BERCHTESGADEN

IO4


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