http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0138
VIGNETTE ZU WEDEKINDS
LAUTENLIEDERN
Drei Masken- Verlas:. Berlin
EMIL PREETORIUS
INITIALEN UND BUCHTITEL (UNTEN) ZU.THOMAS MANN „HERR UND HUND"
S. Fischer\ Verlag, Berlin
und in feinem Taktgefühl sein durchaus selbstständiges
, von hoher Kultur getragenes Stilgefühl
walten ließ.
Er begann mit Zeichnungen für den Simpli-
cissimus, unter dessen Mitarbeitern ihm vor
allem Th. Th. Heine
zum nacheifernswerten
Vorbild wurde.
Gleichzeitig trat er
mit seinem bei Hans
v. Weber erschienenen
„Peter Schle-
mihl" als Illustrator
auf den Plan. In
Schattenrissen und
zitronengelben Vollbildern
, die zwar weniger
dem Sinne der
Chamissoschen Erzählung
entsprechen,
entwickelt derKünst-
ler in einer sich an den
damals herrschenden
Plakatstil anlehnenden
, mit aller Eleganz
einer erstaunlich
sicheren Konturzeichnung
durchgeführten
Illustrationsart
einen ihm
zu schnellem Erfolge
verhelfenden Humor
, der sich in dem
ebenfalls im Schattenrißstil
illustrierten
„Onkel Benjamin
" des Claude Til-
liers insofern noch
Wim
steigert, als er das Komische der Linie auch auf
die Erscheinung überträgt und in kontrastreichem
Wechselspiel den ihm angeborenen Humor
walten läßt. Nimmt man zu diesen ersten Illustrationswerken
noch die in den Jahren 1912
und 13 erschienenen
des „Tartarin" von
Daudet, des in einer
interessanten Mischung
von Licht-
und Steindruck wiedergegebenen
, von
glänzenden Einfällen
strotzenden „Gia-
nozzo" des Jean
Paul, die in origineller
Flächenkomposition
höchst wunderlichen
Blätter des
Freksaschen Spötterromans
„Phosphor"
und die etwas derberen
Steindrucke in
der geradezu vorbildlich
von der Ernst-
Ludwig - Presse in
Darmstadt herausgegebenen
Posse Ernst
Elias Niebergalls
„Datterich", so bieten
diese ein wahres
Lexikon optischer
Komik.
Preetorius erweist
sich als ein scharfer
Beobachter, dessen
kritischen Augen
nicht das Geringste
112
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0138