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anders äußerten sich doch Feuerbach, Böcklin,
auch Schwind über die, die ihnen wehe getan.
— Viel möchte ich noch von den Briefen hier
sagen, die fast ohne Sensationen und große Ereignisse
, die aber als Ganzes ein ganzes, volles
Leben geben und uns ein frisches, stärkendes Erlebnis
. Die Empfehlung kann nicht warm genug
sein. Übrigens hat W. Stein die Briefe in ein
Deutsch übertragen, das niemals an eine Übersetzung
denken läßt. Als Übersetzung sind die
Briefe mustergültig, als Originale Literatur des
Herzens. E. w. Bredt
Dehio, G.
Geschichte
der deutschen
Kunst. Erster
Band: 2 Teile
(Textbd. 372 S.,
Abbildungsbd.
über 500 Abb.);
brosch. 30 M.,
gebunden 41 M.
Berlin, Verlag
der Vereinigung
wissenschaftlicher
Verleger
W. de Gruyter.
In einem auch
heute noch überaus
lesenswerten
Aufsatze
(Historische
Zeitschrift, Bd.
100) hat G. Dehio
dargelegt,
welche Schwierigkeiten
bis
zum Zeitpunkte
jenes Aufsatzes
(1906) der Abfassung einer Geschichte der deutschen
Kunst entgegenstünden, daß aber eine solche
ein dringendes Bedürfnis sei und wie er sich ein
solchesWerk in seinen leitenden Ideen denke. Die
hier aufgestellten Forderungen und Anregungen
hat nun Dehio in idealer Weise verwirklicht in
diesem Werke, das nach rund 40 Jahren, nach
den Bänden von Dohme, Bode u. a. dem deutschen
Volke wieder eine Geschichte seiner Kunstentwicklung
bietet. Ein Spiegel für das Seelenleben
unserer Vorfahren auf einem bestimmten Gebiete
und damit auch ein Mittel zur Erkenntnis des
gegenwärtigen Ich will dieses Buch sein; in diesem
Sinne richtet der Verfasser seine
Fragestellung mehr darauf, was
dem Deutschen die Kunst gewesen
sei, nicht was die deutsche Rasse
für die Kunst geleistet habe. Denn
für eine Problemstellung letzterer
Art fürchtet Verfasser, gegenüber
den Leistungen der Franzosen,
Niederländer und Italiener eine
ziemlich negative Antwort erteilen
zu müssen. Nach Dehios Ansicht
sind die Germanen bei ihrem ersten
Auftreten in der Geschichte ohne
jede Kunst gewesen; alles, was von
der Völkerwanderungszeit bis zur
karolingischen Epoche an Kunstbetätigung
sich erhalten hat, ist
nicht originales Kunstschaffen, sondern
entliehene und abgeleitete
Formen. Diese ersten Abschnitte,
EMIL PREETORIUS □ ILLUSTRATIONEN AUS MÖRIKE, DAS
STUTTGARTER HUTZELMÄNNLEIN (26. Hundertdruck)
Hans von Weber, München
Bescheiden
als nur für
die das deutsche Altertum behandeln, sind wohl
der schwächste Teil des Buches; denn wenn man
auch keineswegs geneigt sein sollte, mit den Erforschern
germanischer Frühzeit alles nachklassische
Kunstgut den Germanen zuzuschreiben, so
wird doch auch gegenüber Dehios allzu stark
negierendem Standpunkte die Wahrheit in der
Mitte liegen. Daß man aber auch für diese Meinung
dem Autor bona fides zubilligen muß, dafür
bürgt die ganze Tendenz seines Werkes, die
warmherzige, von tiefer Liebe und Begeisterung
für deutsches Wesen getragene Schilderung, die
doch weit von
einem blinden
Chauvinismus
sich hält. So erhebt
sich das
Werk in diesem
seinem ersten
Bande, der die
Zeit bis zum
Ausgange der
Staufer, also bis
zur Rezeption
des gotischen
Stiles, umfaßt,
zu einer Glanzleistung
historischer
Darstellung
und man
ist im Zweifel,
was man für den
größeren Vorzug
halten soll,
den Geist, der
das Buch durchweht
, oder die
wissenschaftliche
Leistung,
bezeichnet zwar der Autor sein Werk
den Gebildeten geschrieben; daß aber
auch der Fachmann aus den Darlegungen des
Verfassers der „Kirchlichen Baukunst des Abendlandes
" und des „Handbuches der deutschen
Kunstdenkmäler" vieles mit Nutzen sich zu eigen
machen wird, braucht wohl kaum versichert zu
Dehio gibt keine reine analytische Dar-
der ästhetischen Kräfte, die den Aufbau
Kunst bestimmen, sondern ihm ist sie
wenn auch der wichtigste Ausfluß des
gesamten geistigen Lebens einer Epoche und
eines Volkes; so gewinnt er für seinen Überblick
ein höheres Niveau, von
dem sich überraschende und lehrreiche
Ausblicke nach allen Seiten
eröffnen. — Der stattliche Abbildungsband
steht zwar in enger
Beziehung zum Textband, kann
aber infolge seiner typologischen
Anordnung auch recht wohl mit
großem Nutzen für sich durchstudiert
werden, um die Entwicklung
einzelner Formen zu verfolgen
. Den folgenden Bänden, von
denen der zweite die Gotik bis
zur Reformation, der dritte die
Renaissance und die folgenden
Zeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
enthalten soll, wird man
mit großer Spannung und Interesse
entgegensehen.
W. B.
werden.
Stellung
unserer
nur ein,
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