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Von Berlin nach Danzig. Eine Künstlerfahrt
im Jahre 1773 von Daniel Chodowiecki.
108 Lichtdrucke nach den Originalen mit Text
von W. von Öttingen. Berlin, Amsler & Ruthardt.
Das zur Beurteilung von Chodowieckis künstlerischem
Wert geeignetste seiner Werke, das
Reiseskizzenbuch, wird hier in einer neuen
der Künstler, der
selbst
habe nach Gemälden
viel mehr nach der Na-
fand ich die meiste Be-
Nutzen. Sie ist meine
E.
Ausgabe geboten. Denn
geschrieben hat: „Ich
wenig, nach Gips etwas,
tur gezeichnet. Bei ihr
friedigung, den meisten
einzige Lehrerin,
meine einzige
Führerin ... .",
wird in diesen
unmittelbar dem
Leben abgewonnenen
flüchtigen
Skizzen in seinen
Neigungen und
Veranlagungen
ambesten ergründet
. Alles, was
man sonst an des
Künstlers Gemälden
zu tadeln
pflegt, ist hier
abgefallen.geblie-
ben ist nur die
intime Beobachtung
des Lebens
in all seinen, auch
kleinen und unscheinbaren
Äußerungen
, einZug,
der den Künstler
auf eine Stufe
stellt mit dem
genialen Zeichner
des 19. Jahrhunderts, Menzel. Die etwas steife
Grandezza des kleinstädtischen Hofhaltes des
Fürstprimas, das behagliche, bürgerliche Leben
der Kaufleute in der großen Handelsstadt, aber
auch allerlei interessante Gestalten aus dem Volke
werden hier mit scharfer Charakterisierung und
ziemlicher Lebendigkeit festgehalten. In all die
fast unerbittlich scharfe Beobachtung mischt
sich doch jener für die bürgerliche Aufklärungsperiode
bezeichnende Zug liebenswürdiger Auffassung
. Und auch die andere für jene Zeit charakteristische
Seite, die lehrhafte,
tendenziöse, die sich in manchen
Radierungen des Meisters
bemerkbar macht, ist
hier glücklich ausgeschaltet.
So wird die köstliche Publikation
nicht nur ein Denkmal
für den liebenswürdigen
Künstler, sondern auch ein
überaus lehrreiches Dokument
der Zeit. W.B.
E. u. J. de Goncourt,
Gavarni. Der Mensch und
das Werk. Ins Deutsche
übertragen von Stefanie Stri-
zek. Die Einleitung zum ersten
Band von Max v. Boehn,
der auch Anordnung und
Wahl des Illustrationsmaterials
traf. 2 Bände mit
107 ganzseitigen und 36 Textillustrationen. Berlin
, Hyperionverlag.
Ein kunstgeschichtliches Werk ? Ja und nein.
Es ist es ganz gewiß nicht im Sinne unserer
kunstdogmatisch - ästhetisierenden, immer mehr
oder weniger altklugen Werke, die sich mit Tiefgründigkeit
, Geschmacksspalterei, mit Problemstellungen
, Analysen und Synthesen nicht wichtig
genug tun können. Nein, glücklicherweise
ein solch vergängliches Werk haben uns die beiden
besten Freunde Gavarnis, die Brüder Goncourt
, nicht gegeben. Und grade deshalb ist es noch
immer, nach fast
f ünfzigjahren das
inhaltreichste, belehrendste
und
unterhaltsamste
Werk, was man
sich über Gavarni
denken kann. Es
ist eine Lebensgeschichte
voll Erzählungen
, Tagebuchblättern
,
Plaudereien, Erinnerungen
. Ein
Lesebuch voll
Reiz und Wert.
Ein Quellenbuch
zur französischen
Kunst und Gesellschaft
, das
nicht veralten
wird, weil es ein
Freund von Herz,
weil es feine Kenner
der Künstler,
der Gesellschaft,
der ganzen Zeit
geschrieben. — Es
ist das Werk geistreicher Schriftsteller, die den Leser
nicht mit Zeigefinger und Bakel Schritt für Schritt
belehren wollen, die vielmehr alles herbei- oder hinweggetan
, um den Leser selbst das Urteil über Gavarni
sich bilden zu lassen, was frei von Überschätzung
bleibt. — Dem Buche gab Max v. Boehn eine
Einleitung, die ich schlechterdings für ein kleines
Meisterwerk seiner Art halte. Max v. Boehn ist einer
von den ganz wenigen deutschen Schriftstellern der
Kunst und Kultur, die Dogmen und Schulmeistereien
ebenso verabscheuen wie saloppe Schreibweise und
billige Effekte durch allerlei
Witzchen und Paradoxen, die
nichts anderes sind denn Hintertürchen
für anfechtbare
Meinungen. — Die Übertragung
ist im allgemeinen gut.
Sogar einige der schwierig
wiederzugebenden Gavarnis-
men sind der Übersetzerin
trefflich geglückt. Nicht einverstanden
bin ich mit der
Illustration des Werkes. Die
Bilder hätten die Entwicklung
des Künstlers, der Lebenserzählung
entsprechend,
begleiten sollen. Doch das
Werk wird sicher gerade mit
diesen Bildern viel Freude
machen — und kulturelle Bereicherung
wird der Freude
folgen. E. W. Bredt
PREETORIUS B ILLUSTRATIONEN AUS GERSTÄCKER,
MALHUBER (5. Dreiangeldruck)
Hans zon Weber, München
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