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A. TEICHLEIN
LANDSCHAFT MIT FELSEN
weggestellt, aber andere — nicht immer die reizvollsten
— blieben: von Peter Heß die immerhin
annehmbaren Historien, die stofflich das
griechische Abenteuer der Wittelsbacher zum
Ausgangspunkt nehmen, leider aber auch so
Unerquickliches wie das in seiner brutalen Bunt-
he't malerisch sehr unerfreuliche Großfiguren-
bild ..Apollo und die Musen" von Heinrich Heß,
von Kaulbach „Die Zerstörung Jerusalems",
von Piloty die „Thusnelda'- und der „Seni".
Diese Bilder beanspruchen zusammen mit
Arbe'.ten von Makart. Lindenschmit, Böcklin
(„Spiel der Wellen"), Hierl-Deronco, Weishaupt.
Räuber, frühen Schöpfungen Uhdes (,,DieChan-
teuse") und A. v. Kellers, mit Landschaften von
Lier und Wenglein und einigen Gemälden aus
dem Kreis der einstigen .,Scholle" die großen
Mittelsäle — ein recht buntes Gemisch, wie man
sieht, und auch in Hinblick auf die Qualität
keineswegs das Stärkste, was die Neue Pinakothek
in ihrer jetzigen Zusammensetzung aufzuweisen
hat. Indessen zeigen gerade die Mittelsäle
, in welcher Weise die Sammlung zeitlich
und stofflich begrenzt ist: vom Nazarenertum,
das Ludwigs I. e'gentlichstes Gebiet und das
Feld seiner stärksten Neigung war, geht es bis
zum Impressionismus und Dekorativismus.
Künstler, die in der Neuen Staatsgalerie vertreten
sind, erscheinen, was zunächst sehr erstaunlich
erscheint, auch hier. Es waren in
erster Linie Momente räumlicher Gruppierung
, die eine solche Teilung des Kunstbesitzes
des gleichen Meisters nötig machten (so u. a.
bei Uhde, Keller, Stäbli, Stadler, Ernst Zimmermann
) : man mag eine solche Verzettelung der
Eindrücke bedauern, aber man muß sie verstehen
; man darf auch auf das Beispiel der
modernen Abteilung des Louvre und der Bildergalerie
des Luxembourg-Museums hinweisen:
bei den Pariser wie bei den Münchner Sammlungen
ist das gleiche Ineinandergleiten, die
gleiche Unvermeidlichkeit der Parallelen, denn
in beiden Fällen handelt es sich nicht um streng
schematische Aufteilung des Kunstbesitzes, sondern
um Sammlungen fließenden Charakters mit
starken individuellen Akzenten.
Die nazarenische Richtung und das melodramatische
Deutsch - Römertum kommt im
übrigen besser als in den Bildmaschinen des
ersten Mittelsaals in den intimeren Bildern
des zweiten der Südkabinette zur Geltung. Hier
ist eine charakteristische Zusammenstellung
gelungen ; beherrschend ist natürlich Joseph
Anton Koch, der Tiroler Landschaftsmaler, der
sich in Rom erst ganz fand und in gewissem Sinn
als der Stammvater des malerischen Deutsch-
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