Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 133
(PDF, 126 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0161
A. SEIDEL

BEI GROSSHESSELOHE

Römertums zu gelten hat. Er ist jetzt in der
Pinakothek mit Werken aus allen Schaffensperioden
, auch mit einigen seinen Landschaften
gegenüber reichlich steifen und trockenen Figurenbildern
, sehr glücklich und vielseitig vertreten
. Es scheint, daß man der poetischen Richtung
der Malerei, dem künstlerischen Lyrismus,
fortan wieder mehr Interesse zuzuwenden gedenkt
: offenbar auch eine Auswirkung der Zeit,
denn damit wird die Bindung betont der metaphysisch
gerichteten Kunst unserer Zeit mit
der poetischen Provinz der deutschen Malerei,
wie sie im Werk der Deutsch-Römer besonders
bezeichnend in Erscheinung tritt. Reinharts
römische Stadtbilder, vor denen man unwillkürlich
an Rottmanns „Blick auf Rom" in der
Schackgalerie gemahnt wird, machen sich in
ihrer friesartigen Anordnung gut in dem ausgezeichnet
arrangierten Saal, der mit Heinrich
Heß' seltsam stillem Bildnis der schönen Marchesa
Florenzi, mit Bildnissen von Overbeck und
Stieler und den hübsch staffierten Landschaften
des wenig gekannten und zu Unrecht unterschätzten
Franz Ludwig Catel sich harmonisch
zusammenschließt.

In dem Kabinett, das dem Nazarener-Sälchen
vorgelagert ist, klingt eine noch frühere Periode
an. Sie gehört der ganz in der höfischen Atmosphäre
verankerten kurfürstlichen Zeit; hier sind
es besonders Kur-Pfalz und Kur-Mainz, die mit
ihren Hofkünstlern zum Zuge kommen. Des
feinen alten Landschaftsmalers Christian Georg
Schütz geschah schon Erwähnung. Seine Bilder
bekunden ein außerordentlich differenziertes
Gefühl für atmosphäre Stimmungen. In die
harte, minutiös genaue Vedutenmalerei seiner
Zeit verfällt er nicht; trotzdem haben seine
Bilder etwas liebenswürdig Erzählendes und sir.d
der heiter-galanten Zeltstimmung voll. Ferdinand
v. Kobell, der am Mannheimer Hof eine bedeutende
Rolle spielte und mit Karl Theodor nach
München kam, ist ebenfalls hier untergebracht;
seine hübschen, munteren Landschaften aus
dem Kurmainzisch-Aschaffenburger Lustbezirk,
Schönbusch, Oberer See usw., tragen die amöne
Note des fränkischen Rokoko. In München,
wo sich Ferdinand v. Kobells Altersschaffen
vollzog, traf er jene Künstler, die hier mit ihm
den Raum teilen, deren Werke zum Teil aber
auch in den ungemein reizvollen Nordkabinetten

133


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0161