Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 170
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Anekdotenhafte der Erzählung nicht völlig abgestreift
und überwunden wurde; durch so manche
dieser Bilder, die doch meist dem beschaulichen
Leben huldigen, zieht sich ein leichter Erzählerton
hin, der den andern großen Impressionisten
fern ist. Aber gerade dies Moment gab doch
auch wieder den Bildern den natürlichen Zug;
man vergleiche zum Beispiel seine Gruppenbildnisse
mit denen Manets; des letzteren „Frühstück
im Atelier" hat einen Charakter, den man
nicht anders denn gestellt, photographiemäßig

bezeichnen muß, während Renoir nur einmal,
in den Kindern des Dichters Catulle Mendes,
in diesen Fehler verfällt.

Gewiß ist Renoir ohne Manet nicht denkbar,
„Les grands Boulevards" offenbaren die Zusammenhänge
vielleicht am schlagendsten, ohne
daß damit alle Anregungen Manets erschöpft
wären; aber er hat doch sein eigenstes Gebiet,
auf dem er Herr und unabhängig ist. Das war
die Wiedergabe flüchtigster, leisester Seelenregungen
. Bei dem bekannten Bilde der zwei
Mädchen am Klavier beobachte
man, mit welch glücklichem Griff
die Tätigkeit der beiden wiedergegeben
ist, wie die Augen den
Noten folgen und die Finger die
Tasten suchen, um zu verstehen,
welche Sicherheit der Beobachtung
hier waltete. Sein zweiter Vorzug
läßt sich allerdings schwer in
Worte fassen, die viel größere
Wandlungsfähigkeit der Farbe in
seinen besten Zeiten, als er der
Gefahr des Süßmalens noch nicht
verfallen war. Eben diese Bilder
muß man sich vor Augen halten,
um zu verstehen, was der Künstler
bedeutete. Wer nur die Arbeiten
der letzten Jahre mit ihrer geleckten
Farbe, den stets gleichbleibenden
Typen in seinen Gesichtern
mit den breiten, wenig
vornehmen Zügen kennt, weiß
nichts von dem Zauber, der die
früheren Arbeiten des Künstlers
umfängt, ihn zu dem Liebenswürdigsten
der modernen Franzosen
macht, weil er das gallische
Naturell in seinem angenehmsten
Zuge enthüllt. Willy Burger

AUGUST RENOIR

LÄNDLICHES TANZFEST

Pliot Durand- Ricel, Paris

GEDANKEN ÜBER KUNST

Kein Mensch, solange er sich Künstler
nennt, kann eine Manier haben. Man
bleibt keinen Tag derselbe. Was einem
Zwanzigjährigen gefällt und richtig erscheint
, kann einen Mann nicht mehr
anregen. Böcklin

Man sollte alles in einem Fluß malen
und mit einer Überzeugung, daß man
schwören könnte, es würde geradeso,
wie man es sich gedacht und wie man
es beabsichtigt habe. Böcklin

Dem Auge das Äußerste zeigen, heißt
der Phantasie die Flügel binden.

Lessing

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