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WILHELM TRÜBNER
schaftlicher Erregung, die fast im Gegensatz
zu der malerischen Ruhe und Objektivität seiner
sonstigen Werke steht. Sie zeigt aber um
so deutlicher, wie wenig man den seelischen
Gehalt in Trübners Kunst verkennen darf.
Darin liegt für den, der darin zu lesen versteht
, ein besonderer Wert solcher Vorarbeiten.
K. Widmer
NEUE KUNSTLITERATUR
Loosli, C. A., Ferdinand Hodler. Einmalige
Luxusausgabe in 800 numerierten Exemplaren
, in drei Ausgaben. Zürich, Rascher & Co.
Ferdinand Hodler gehört heute zu den Klassikern
der modernen Kunst; alle gegenwärtigen Bestrebungen
, die auf eine Erneuerung des Wandbildes
hinzielen, die im Gegensatze zu den malerischen
Neigungen eine konstruktive Tendenz der
Malerei anstreben, greifen zurück auf Hpdlers Bildgestaltung
. Und so vielfältig sind die Einwirkungen
seiner Kunst auf die heutigen Maler, daß selbst
diejenigen, die dem Menschen seine Stellungnahme
gegen Deutschland während des Weltkrieges nicht
vergessen können, an dem Künstler nicht achtlos
vorbeigehen können. Dieser Stellung Hodlers für
unsere Zeit gerecht zu werden, der Erkenntnis für
sein Wollen und Streben förderlich zu sein, soll
dieses Monumentalwerk über den Meister dienen.
ZEICHNUNG
Ein Monumentalwerk im wahren Sinn des Wortes
; soll es doch nach seiner Fertigstellung nicht
weniger als 330 Tafeln in Folio umfassen, die 28 farbige
Gemäldereproduktionen in Künstlersteindruck,
157 Gemälde und 141 Handzeichnungen in Lichtdruckwiedergabe
enthalten; dazu noch ein umfangreicher
Textband. Soweit die bisher vorliegenden
Lieferungen und die Prospekte zu urteilen gestatten
, ist die Auswahl der wiederzugebenden Gemälde
eine sehr geschickte, die Hodlers Schaffen
von seinen frühesten Anfängen bis zu den letzten
Werken im Jahre 1918 gut erläutern wird. Alle
Perioden im Wirken des Künstlers sind gleichmäßig
in der schönen Ausgabe berücksichtigt,
selbst der genaue Kenner des Hodlerschen Gesamtwerkes
wird in diesem Prachtwerke, das unter
eifriger Mitwirkung des Künstlers selbst entstand,
manches ihm fremde Bild, viele noch unveröffentlichte
Zeichnungen finden. Erwünscht wäre unter
solchen Umständen allerdings eine Angabe über
den Besitzer oder den Aufbewahrungsort der einzelnen
Blätter gewesen; vielleicht wird dieser
fromme Wunsch noch am Schlüsse in einem Gesamtverzeichnis
des Inhalts der einzelnen Mappen
erfüllt. Auch die technische Seite der Publikation,
die Ausführung der Lichtdrucke, ist besonders zu
betonen, namentlich die Wiedergabe der Handzeichnungen
ist hervorragend zu nennen. Looslis
begleitender Text ist verständig und spannend geschrieben
und verfolgt mit warmer Begeisterung
seine Aufgabe, in das Werk des Meisters eine Einführung
zu bilden; besonders interessant wird er
durch den Umstand, daß in ihm viele persönliche
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