Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 193
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ALFRED MARXER

DER WEISSE HAHN

RADIERUNGEN VON WILLI MÜNCH

WTahrend das Schaffen und das Kunstschriften-
tum der Gegenwart auf der Suche nach neuen
Ausdrucksformen in der Kunst war, etwa nach
neuen Kompositionsgesetzen, oder nach einem
neuen Verhältnis zur Natur, zur Umwelt, zum
Kosmos, zur eigenen Psyche, also nach einem
neuen persönlichen und formalen Stil, der die bereits
vorhandenen Richtungen in der Kunst abzulösen
imstande war, hat ein junger Künstler in
aller Stille und Emsigkeit sich seinen Stil geschaffen
. Es ist Willi Münch-Khe (Leipzig). Er
hat ihn in einer Mappe von 20 Radierungen dokumentarisch
dargetan. Weder ist Münch ein
Neuling auf dem Gebiete der Radierung, hat er

doch schon vor mehr als zehn Jahren wertvolle
Proben seines Talentes gegeben, noch ist er ein
Neuerer, denn er steht außerhalb des technisch so
vielseitig angeregten und graphisch so fruchtbaren
Jetzt. Seit seiner Lernzeit bei dem Karlsruher
Graphiker W. Conz hat er sich auf gar mancherlei
künstlerischen Gebieten herumgetrieben. Er hat
Kunst- und Gewerbeschüler stilistisch beeinflußt,
hat revolutionierend in der Meißener Porzellanfabrik
gearbeitet, ist als Innenarchitekt und Buchgraphiker
rasch zur Geltung gekommen, hat aber
auf all diesen Pfaden und Umwegen doch wohl
immer still im Herzen die Flamme seiner graphischen
Kunst genährt. Das beweisen seine ergötz-

Die Kunst für Alle XXXV.

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