Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 196
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ALFRED MARXER

DER WEG UNSERER ZEIT

in der modernen Graphik nicht viele darüber stehen.
Vor allem bewundernswert ist die Klarheit und
Sicherheit der Form und des Ausdrucks bei aller
Unterschiedlichkeit der Bildwirkung. Es wird sofort
zugegeben werden können, daß jedes Stück
die ihm gemäße Fassung erfahren hat.

So glänzend herausgearbeitete Blätter wie die
Profilstudie (Bildhauer Mund mit dem Imperatorenprofil
; Nr. 17), oder wie die Ausdrucksstudie
des verwundeten Helden (Nr. 18) lassen aus der
graphischen Behandlung geradezu plastische Talente
ahnen.

Zwischen diesen Eckpfeilern der romantischen
Verschwärmtheit und der statuarischen Fest:gkeit
tollt der sprudelnde Karneval seiner Erfindungsgabe
. Vom Humor zum Spukhaften, vom graphischen
Witz zur Ironie ist nur ein kleiner Schritt.

Alles Groteske wird durch den Adel seiner
technischen Behandlung zu einer edlen graphischen
Bekundung, seien es nun die Trollgestalten
nordischer oder klassischer Phantastik (Hypochonder
Nr. 11, Harpyie Nr. 12) oder seien es
orientalisch kostümierte (Nr. 11) oder mittelalterliche
Zeitsatiren, Höllenspuk (Nr. 14 und 15) oder
kecke Selbstironien. Dazwischen verrät Nr. 10,
dann wieder eine vielseitige und sachliche Naturstudie
(Pelikan, Nr. 7), die strenge Selbstzucht
der rein zeichnerischen formstrengen Anschauung,
die von seinem Lehrer Schmid-Reutte großgezogen
ist.

Das Einheitliche in der vielseitigen Kunst
Münchs liegt aber nun wieder in seinem eminenten
Stilgefühl, das ebenso den wesentlichen Ast
eines Baumes in den dekorativen Schwung zwingt,
wie eine Federhaube oder den Flaum eines Gefieders
bei einem Vogel. Nichts ist dieser Nadel
versagt, was die Formelemente oder die Ausdruckskräfte
angeht. Wenn der Künstler in späteren
Werken auch noch die Helldunkel-Wirkungen
erzielt, die um seine phantastischen Bildungen
erst den letzten Zauber des Geheimnisvollen weben
, worauf übrigens schon ein Blatt, die Harpyie,
hinzudeuten scheint, so wird sein Schwarzweißwerk
über alle Tonstufen gebieten, deren die Arbeit
der Nadel fähig ist.

Dr. Beringer

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