Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 210
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FRITZ AUGUST VON KAULBACH f

Am 26. Januar starb auf seinem Ansitz in Ohl-
l Stadt bei Murnau in Oberbayern der Maler
Fritz August von Kaulbach, der letzte künstlerisch
tätige Träger dieses für die Geschichte
der Münchner Malerei so bedeutsamen Namens.
Wilhelm von Kaulbach, die kunstpolitisch überragende
Gestalt des Münchner Kunstlebens im
zweiten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts,
war sein Großonkel; noch unter dessen Akademiedirektorat
kam er, der selbst ein geborener
Münchner war, aber seine Jugend in Hannover
verlebt hatte, an die
Akademie in München. Es
war bald nach 1870, und
der Ruhm der Schule des
Wilhelm Diez begann sich
eben auszubreiten. Diez
hielt zwar Kaulbach nicht
lange, indessen ging dessen
Einfluß, mehr vielleicht
noch der des Geniekastens
der Diez-Schule, nicht unbemerkt
und nicht spurlos
an ihm vorbei. Damals
standen überdies in
München die prachtvollen
Künstlerfeste in Flor; Kaulbach
, der bei ihnen eine
bedeutende Rolle spielte,
gewann auch als Maler
von diesem farbigen Treiben
manche starke Anregung
, und so sieht man
auf einem seiner frühesten
Bilder die schöne Frau

Gedon in der altdeutschen Tracht eines solchen
Künstlerfestes, es ist ein feines Bild, ein glücklicher
Auftakt.

Die Frühzeit Kaulbachs wird durch Bilder
von hoher malerischer Kultur und von seltenem
Reiz auch im rein Malerischen gekennzeichnet
. Obwohl er damals schon gerne dekorativ
improvisierte, waren seine Staffeleibilder
doch bis in das letzte Eckchen malerisch
durchempfunden und koloristisch ausbalanciert,
und es müßte ein hoher künstlerischer Genuß
sein, sie einmal alle vereinigt zu sehen — hoffentlich
gelingt dies, es wird ein ganz neues
Urteil über Kaulbach bewirken, der dann nicht
nur als der vielgewandte, elegante, aber ein
wenig inhaltlose und das rein Malerische zuweilen
geringschätzende Damenporträtist erscheinen
wird, sondern als ein Maler, dessen V^erk

einen wesentlichen Faktor in der Entwicklungsgeschichte
der Münchner Malerei darstellt.

Die Frauenbildnisse überwiegen im Werk
Kaulbachs, und die Vorstellung, die man sich bei
dem Aufruf des Namens Fritz August Kaulbach
macht, ist die des mondänen Damenmalers. Und
doch erschöpft diese eine Seite den Künstler nicht.
Rassige Herrenbildnisse, wenn auch nicht v on der
psychologischen Tiefe Lenbachscher Porträts,
gibtes vonihm ; man denkt an dieBildnissePetten-
kofers, des Prinzregenten Luitpold, des Vaters,

des Jägers Dorn, denkt an
Kaulbachs Selbstbildnisse,
und hat dann eine stattliche
Reihe markanter Charakterköpfe
um sich. Man erinnert
sich auch, daß Kaulbach
stille Landschaften
und farbenfrohe Blumenstilleben
, die in gewissem
Sinne Porträts von Blumensträußen
sind, malte.
Man denkt an seine „Grablegung
" in der Münchner
Pinakothek, ein Bild, mit
dem er an die Grenzen des
höchsten malerischen Pathos
streift, und stellt diesem
seinen graphischen Humor
, der in den Kneipzeitungen
und Stammbüchern
der „Allotria" triumphiert,
gegenüber. Man kann
daraus ermessen, daß die
Feierlichkeit und Entrücktheit
, in der Fritz August Kaulbachs Person und
Kunst so leicht erscheinen können, sein Wesen
nicht ganz treffen; . denn es war auch die Verbindung
zur heiteren Seite des Lebens da.

Nach Pilotys Tod wurde Kaulbach Direktor der
Münchner Akademie, blieb es aber nur einige Jahre
lang. Dann zog er sich vom Lehramt zurück, behielt
indessen namentlich unter der Regentschaft
des Prinzen Luitpold, mit dem ihn persönliche
Freundschaft verband, starken kunstpolitischen
Einfluß. In die Entwicklung des Münchner Kunstbetriebs
griff er wiederholt entscheidend ein, nicht
mehr indessen in den Entwicklungsgang der
Kunst selbst. Impressionismus und Expressionismus
kamen für ihn nicht in Frage. Er hatte sich
diesen Kämpfen ferngehalten und in Schönheit
und rückschauender Freude an anderm Ausdruck
der Kunst seine vornehmen Bilder gemalt. Wolf

Phot. Gebrüder Hirsch, München

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