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HEINRICH REIFFERSCHEID
RHEINSTRASSE
HEINRICH REIFFERSCHEID
Vor nunmehr fünf Jahren ist in diesen Heften
von Heinrich Reifferscheids Kunst
schon einmal die Rede gewesen. Das furchtbare
Erlebnis der vier Kriegsjahre und ihres
Abschlusses durch den ungeheuerlichsten Frieden
, den die Weltgeschichte kennt, hat an
seiner Kunstweise kaum etwas verändert. Reifferscheid
hält im großen und ganzen an dem
fest, was und wie er vor dem Kriege im Reiche
der Malerei und Graphik gearbeitet hat. Die
Zeitströmungen gewannen keinen Einfluß auf
diese Kunst. Sie war, wie jede große Kunst,
von vornherein zeitlos, gültig in der Zeit und
über sie hinaus. Das gibt ihr von Anfang an
den festen unerschütterlichen Stand in dem
mehr oder minder reizvollen Wellenspiel, in dem
die Strömungen der Kunst in unserer Zeit verlaufen
.
Es ist eine tragische Seite in der deutschen
Kunstgeschichte, daß die wahrhaft großen und
ernsthaften Künstlererscheinungen fast durchweg
erst spät, meist gar nicht bei Lebzeiten in
ihrer Bedeutung und ihrem Werte erkannt werden
, daß aber den auffallenden und blendenden
Tageserscheinungen Überschätzung und Erfolg
in reichlichem Maße zufallen. Es mag sein,
daß die in die ästhetischen Dinge leider eingerissene
Problemspeilerei den Blick für die völlig
unproblematische, sonnenklare Kunst Reifferscheids
noch nicht gefunden hat, wenigstens
nicht in dem Maße, wie es ihrer Stellung und
Bedeutung im deutschen Kunstschaffen zukäme
und gemäß wäre. Wenn das Wesen der deutschen
Kunst mit kurzen Worten umschrieben
werden sollte, so wäre es zu kennzeichnen als
Naturnähe, als Dichterisches und damit als Schöpferisches
und Verklärendes, das die Einzelerscheinung
zum Typischen erhebt, in dem das
Irdische nur ein Gleichnis ist. Die große deutsche
Kunst ist aber auch zugleich formstreng zeichnerisch
gebunden, wie malerisch weich und ins
Freie aufgelöst; sie ist einfach und innig, realistisch
und vergeistigt bis ins Symbolische.
Alle diese Eigenschaften kommen der Kunst
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