Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 214
(PDF, 126 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0250
auf sie läßt sich auch das Malwerk zurückführen
. An Landschaftsstücken haben die mittleren
Rheinlande, die Jugendheimat des Künstlers
, vor allen anderen deutschen Ländern den
Vorzug. Nicht ein Jahr vergeht, ohne daß der
Meister irgendein Blatt, das äußerlich oder
innerlich dieser Gegend zugehört, zum Bild gestaltete
. Aus der Rheinlandschaft erwächst ihm
auch die künstlerische Erkenntnis für die Wirkungen
des Lichtes, der Atmosphäre, erwächst
ihm auch der romantische Sinn für die graphischen
Bildstoffe, die sich in den pathetisch gehaltenen
, großartigen Drucken wie „Siebengebirge
" (1903), „Gewitter in den Bergen", aber
auch in den Bilddichtungen „An Theodor Storm",
,,An Annette v. Droste-Hülshoff" auswirken, wie
auch der Blick sich schärft für jene geistvoll
und fein hingeworfenen besonderen „Rheinlandschaften
", die in einem Mindestmaß von technischen
Mitteln ein Höchstmaß von Ausdruck,
von Raum und Licht, Linie und Farbe, von
Inhalt und Stimmung, kurz, von stolzer und
anmutvoller Schönheit in sich bergen. Um diesen
Kern von Rheinlanddarstellungen schließen sich
die Randgebiete Eifel, Westerwald, Westfalen,
Niedersachsen, ja Holland und Ostseegebiet,
süddeutsches Jura- und Alpenland bis hinunter
an die venezianische Adria wie Randleisten in
einem schönen Druckwerk. Allerdings hat jedes

dieser Gebiete seine besondere Aufgabe bei der
Bereicherung des künstlerischen Ausdrucksvermögens
. Die anfängliche Studienzeit in München
, die daran sich anschließenden und später
öfters wiederholten Studienreisen in das süddeutsche
Jura- und Alpengebiet geben dem aus
diesen Gegenden stammenden Werk einen starken
und besonderen Klang, der das rheinische
Werk harmonisch ausgleicht. Verschiedene Landschaftsblätter
aus den „Huldigungsblättern",
„Widmungen" wären ohne diese Einströmung
nicht zu denken. Wenn die aus rheinischen und
niederdeutschen Bezirken stammenden Blätter
(an Th. Storm, Annette v. Droste) durch die
Poesie ihrer Weiträumigkeit, durch die wundervolle
Weise, wie sich eine ganze Welt entwickelt
und aufbaut, durch die bis ins einzelne hinein
durchgearbeitete Formensprache und die streng
logisch und harmonisch ausgeglichene Verteilung
von Hell und Dunkel sich auszeichnen, so sind
die vom Geist des süddeutschen Landes unterströmten
Blätter (Moerike, Hölderlin) durch
das Romantische ihrer Komposition, ihrer Licht-
und Formbehandlung in die Sphäre des Dichterischen
gerückt. Sie sind weniger von epischem
Pathos und dafür mehr von lyrischer Innigkeit,
Anmut und Heimlichkeit durchweht. Sie charakterisieren
dadurch in feiner und ausdrucksvoller
Weise die kulturellen und geistig-künstlerischen

214


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0250