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R. HIRTH DU FRENES
GARTENLAUBE
internationalen Entwicklungsprozeß der Malerei
— in Stichproben auch der Plastik — zu veranschaulichen
. Daß dabei trotzdem die Werke
der Münchner Provenienz überwiegen, ließ sich
nicht vermeiden und sollte auch nicht vermieden
werden: schließlich domiziliert die Neue
Staatsgalerie doch in München und, wenn es
auch viel bestritten wird, der Anteil Münchens an
der Gesamtentwicklung der Kunst, im besonderen
der Malerei, ist eben doch ein ganz gewaltiger.
Die Neue Staatsgalerie ist in der überwältigenden
Hauptsache Bildersammlung; die plastischen
Werke und einige Graphik, Rötelzeichnungen
des Hans von Marees, sind zwar willkommen
und tragen wohl auch zu dem frischen
Aussehen der Sammlung wesentlich bei, aber
sie stellen kein entscheidendes Moment der
Sammlung dar und vermitteln keine geschlossene
Entwicklungsreihe, wohl aber sind sie willkommen
, weil sie der Galerie die Mannigfaltigkeit
der Eindrücke gewährleisten und den Beschauer
frisch und bei Laune erhalten helfen.
Dazu trägt auch der Umstand bei, daß die
Neue Staatsgalerie ihrem Umfang nach beschränkt
ist. Man hat sie rasch durchwandert,
und da sie mit überflüssigem Ballast ziemlich
wenig beschwert ist, so kommt — im großen
und ganzen — ein erfreulicher Eindruck zustande
. Freilich: ohne Widerspruch kann nicht
alles bleiben. Aber demgegenüber kann die
Galerieleitung ins Treffen führen, daß, wie sie
immer wieder betont, die Sammlung als Provisorium
zu betrachten ist, und daß, wenn es
einmal die Raumverhältnisse erlauben und die
jetzt bestehenden baulichen Schwierigkeiten
überwunden sind, die Wiedervereinigung der
Neuen Pinakothek und der Neuen Staatsgalerie,
wenigstens die räumliche Wiedervereinigung,
nicht ausgeschlossen ist. Dafür spräche nicht
zuletzt die Tatsache, daß eine Anzahl Meister
jetzt in beiden Galerien vertreten ist (z. B. Albert
Keller, Fritz v. Uhde, Toni Stadler), also eine
Verzettelung des Eindrucks, den man von ihrer
Kunst gewinnt, Platz greift, so daß eine Wieder-
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