Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 243
(PDF, 126 MB)
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WILHELM TRÜBNER

BILDNIS THIELE

eine Zeitlang nahestand, und diesem Kreis ist
der erste Achtecksaal vorbehalten worden. An
der Hauptwand thront das Frau Gedon-Bildnis
in strahlender Jugendlichkeit und in unauslöschlicher
Brillanz der Malerei. Die Bildnisse
des Herrn Max von Perfall und der Nichte
Lina Kirchdorfer, der köstliche Kopf des Malers
Schuch mit der Virginia und das Bauernbildchen
mit dem unvergleichlich feinen Rot betonen
, neben kleineren, weniger aufschlußreich
für den Meister zeugenden Arbeiten, die überragende
Bedeutung Leibis gegenüber seinen
Weggenossen. Sperl, Hirth du Frenes, Alt und,
ihrem Wert entsprechend, besonders stark
vertreten, Trübner und Schuch, dessen beide
Stilleben ein wahrhaft berauschendes Farbenensemble
von höchstem koloristischen Reiz darstellen
, schließen sich um den Meister. Ein
Jagdstilleben des Diez-Schülers Heinrich Weber,
das sich in diesen Saal verirrt, ist wohl nur
aus dekorativen Gründen da; jedenfalls ist ihm
die Nachbarschaft Schuchs mehr als gefährlich.

Auch der Umstand, daß man Marees Offiziersbildnis
von 1871 in dieses Sälchen hing, leuchtet
nicht ohne weiteres ein; man wird es mehr
auf äußere Motive zurückzuführen haben, oder
man wollte der Malerei — im besonderen der
Porträtkunst — des Leibi-Kreises eine Kontrasterscheinung
gegenüberstellen, denn dieses Bildnis
des Marees, der damals schon seiner einsamen
Problem-Malerei sich zuwandte, ist doch von
einem ganz anderen Geiste getragen als die
saftig realistische, lebensnahe Porträtkunst
Leibis und seiner Freunde.

Der Eintritt in den dritten Saal macht eine
andere Einstellung des Auges notwendig: aus
dem (relativen) Dunkel der Malerei geht es
ins Helle, aus der schönen, wohligen Tonigkeit
in das scharfe, klare Pleinair. Nun überwiegt
Berlin. Liebermann, Slevogt, Corinth beherrschen
den Saal. Freilich ist auch ein dunkler
Israels, wohl um seiner Zusammenhänge mit
Liebermann willen, in dem Saal. Und allerlei von
Kuehl, das nicht gerade überzeugend ist; auch

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