http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0286
STAATSGALER IE MÜNCHEN
RODIN-NISCHE
Geschlossenheit, Bronzebüsten Rodins zusammengefaßt
mit den farbig leicht angetuschten
Aktzeichnungen Rodins, Blättern von einer Delikatesse
, von der der Kenner und erfahrene
Bewerter intimer Kunst nicht genug erhalten
kann.
Was die malerischen Werke anlangt, so
schließt sich an den Marees-Saal zunächst vornehmlich
Münchnerisches. Ein Saal der Gründer
der „Secession" versetzt in die Zeit um
i8go, in den kampffrohen Aufstand einer genialen
Künstlerjugend. Heute kann man nicht
mehr recht verstehen, wie einst diese Bilder,
Uhdes „Himmelfahrt" und Stucks ,,Krieg" und
„Sünde", die Gemüter in so heftige Wallung
versetzen konnte — man erkennt nur historische
Werte in diesen Bildern, empfindet mehr
das Tendenziöse des Inhalts als das Qualitative
oder gar das Ungewöhnliche der Malerei, die
vielmehr — nach den Eindrücken, die man bei
Marees gewann und die sich hernach im Saal
der französischen Impressionisten noch steigern
— als überaus zahm und in der Tradition
verankert erscheint. Frisch, wo immer auch
es hängt, wirkt Albert Kellers Bild „Aufer-
weckung des Töchterleins des Jairus", es ist
das Hauptstück des Secessions-Gründersaales.
Herterichs prächtiger Ritter, ein Bild, in dem
der romantische Zug im Wesen des Künstlers
besonders lebendig ist, Zügels frühes Bild mit
der Schafherde, einige der besten Porträte Sambergers
und ein fast stillebenhaft ausgebauter
kapriziöser Frauenakt Habermanns (welcher
Weg von der Frühzeit des Künstlers, der uns
zuerst in der Umgebung Thomas erschien, bis
hierher!) vermitteln ein anschauliches Bild,
welche Kräfte um i8go in München am Werke
waren. Baers monumentale, temperamentvoll
hingewuchtete Hochgebirgslandschaften und
Weisgerbers aus dem Jahre 1905 stammendes
Bildnis des Dichters Scharf führen zwar in
eine wesentlich spätere Zeit, fügen sich aber
glücklich dem Raumcharakter ein.
Was etwa zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre
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