http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0297
G. PH. SCHMITT
DER MALER IM KREIS SEINER FAMILIE (1839)
HEIDELBERGER MALER DER ROMANTIK
EIN NACHWORT ZUR AUSSTELLUNG DER HEIDELBERGER STÄDTISCHEN
SAMMLUNGEN
Bücher, die es wagen, auf einem noch un-
durchforschten Gebiet der Wissenschaft den
Stoff zusammenzufassen, genießen selten den
Dank, der ihnen gebührt. Sehr bald pflegt die
Einzelarbeit einzusetzen; sie hat es dann leicht,
Lücken festzustellen und bei weiter fortschreitender
Entwicklung nachzuweisen, was im Zusammenhange
beim ersten Überblick schief oder
falsch gesehen wurde. Trotzdem wird für den Einsichtigen
die erste mutige Tat das Entscheidende
bleiben. Ganz ähnlich ist es der großen Jahrhundertausstellung
vom Jahre 1906 ergangen.
Mit entschlossenem Griff schob sie zur Seite,
was die einseitige und schon deshalb falsche,
rein akademisch gerichtete Einschätzung der
Kunst des ig. Jahrhunderts gelehrt hatte, und
rückte an dessen Stelle endlich an das helle
Licht des Tages, was bisher zur Beurteilung
nicht herangezogen worden war, aber gerade
in seiner Freiheit vom akademischen Zwang
sich als das eigentlich Lebensvolle, als der kerngesunde
Träger der Entwicklung erwies. Eine
große Fülle neuen Anschauungsstoffes wurde
so erschlossen, nun erst dem Historiker ein
genügend vorbereitetes Feld zu Aussaat und
Ernte übergeben. Auch hier folgte die Einzelarbeit
ergänzend und bessernd nach. Aber man
sollte sich abgewöhnen, die durch sie herbeigeführten
Ergebnisse höher einzuschätzen als
jene erste, frische Gesamtleistung. Sie bleiben,
auch wenn sie noch so viel hinzufügen und
bessern können, eben nur Ergänzungen. Damit
ist natürlich nicht gesagt, daß sie nicht
nötig seien. Im Gegenteil, man darf nicht er-
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