Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 258
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G. PH. SCHMITT

BLICK IN DIE HAUPTSTRASSE
IN HEIDELBERG B

müden, das Gebäude bis in den letzten kleinen
Winkel mit aufmerksamem Auge und immer
gleicher Teilnahme auszubauen. Nur soll man
nicht darüber den Wert des Grund- und des Aufrisses
vergessen, sondern bedenken, daß wir
ohne sie wahrscheinlich heute noch nicht am
Bauen wären.

Es war mir, um nicht mißverstanden zu werden
, ein Bedürfnis, meine dankbare Gesinnung
gegenüber der Jahrhundertausstellung aufzuzeigen
, bevor ich auf einen ihrer wesentlichen Fehler
zu sprechen komme. Denn die Verschiebung
des Schwergewichtes nach Norden, die bei ihr
festgestellt werden muß, kann auf die Dauer
vor dem nach Erkenntnis suchenden Historiker
nicht bestehen. Daß sie sich einstellte, liegt an
der größeren Aufmerksamkeit und dem regeren
Spürsinn, mit denen man im Norden, Licht-

wark voran, das unbekannte Gebiet durchstreift
hatte. Erst nachher folgte schrittweise
der Süden und der Westen, und
wenn auch hier wie dort die Arbeit längst
noch nicht abgeschlossen ist, zumal ein
ungeahnt großer Reichtum sich dem einmal
geöffneten Auge sogleich erschloß,
heute schon kann man doch sagen, daß
sich in einiger Zeit das Gesamtbild nicht
unwesentlich zugunsten der vorher vernachlässigten
Landesteile verschoben haben
wird.

Für das Jahr igis war in Düsseldorf
eine Jahrhundertausstellung westdeutscher
Kunst geplant. Der Krieg erstickte sie in
ihren Vorbereitungen. Wohl zu ihrem
Besten. Denn jenes Jahr wäre für sie
noch ein zu früh angesetzter Zeitpunkt
gewesen. Emsige Vorarbeit muß erst noch
geleistet werden, verteilt auf alle Städte,
die im Westen und Südwesten Kunst
pflegten, von Basel den ganzen Rhein
hinab bis Düsseldorf und von da aus
östlich in jene Gebiete, die von stammesverwandter
Bevölkerung besiedelt sind.
Frankfurt, Düsseldorf, Mannheim haben
mit Teilausstellungen begonnen. Nun ist
auch Heidelberg mit einer Ausstellung der
Romantiker in die Reihe getreten. Wenn
emsig in dieser Weise allenthalben fortgefahren
wird, mag dann in Jahren wieder
an jenen für 1915 geplanten Gesamtüberblick
in Düsseldorf gedacht werden.
Die Ungunst der Gegenwart und der
nächsten Zukunft darf nicht als unüberwindliches
Hindernis schrecken. Die Geschichtsforschung
fordert ihr Recht, die
Arbeit muß geleistet werden. Und wenn
H die Jahrhundertausstellung, damals noch
mit guten Gründen, vor der Epoche des
Impressionismus haltmachte, besteht heute,
wo wir zu ihm den genügenden Abstand haben,
kein Grund mehr, diese Grenze einzuhalten. Es
kann das ganze Jahrhundert in den Kreis der
Betrachtung gezogen werden.

Wer das Wort „Kulturgeschichte" ausspricht,
pflegt stillschweigend vorauszusetzen, daß der
andere, an den es gerichtet ist, darunter genau
dasselbe verstehe wie er selbst. Man arbeitet
mit einem vieldeutigen, nicht genügend geklärten
Begriff, was im weiteren Verlauf der Erörterung
gewöhnlich störend zutage tritt und
oft genug die Verständigung überhaupt hindert.
Nicht viel anders ist es um das Wort „Romantik
" bestellt. Heute noch ist der Begriff zum
mindesten nicht genügend zeitlich abgegrenzt,
wie allein schon die Flickwörter „Protoroman-
tik, Spät- und Nachromantik" beweisen. Auch

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