Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 262
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sie mehr als in ihrer Heimat gesehen wurde
und nun erst in den geistigen Besitz der Gebildeten
übergehen konnte, ja selbst den widerstrebenden
Goethe zu einer vorübergehenden
Annäherung an die romantische Welt zu bringen
vermochte.

So wichtig die Romantik für Heidelberg, auch
Heidelberg für die Romantik ist, eine Gefahr
liegt doch für beide in der gegenseitigen Verbindung
. Denn gerade hier kann leicht jene
Verschiebung der Wortbedeutung eintreten, die
vorher schon angedeutet wurde. Den Reisenden
, der seit Jahrzehnten mit Vorliebe in der
Neckarstadt einzukehren pflegt, lockte und lockt
noch die „romantische Lage", die „romantische
Schloßruine", die „romantische Umgebung" mit
Stift Neuburg, dem Wolfsbrunnen, und wie die
„romantischen Punkte" sonst noch heißen mögen
, und Scheffels „romantische Weisen" sind
nicht das letzte, was inmitten der „Studentenromantik
", die schließlich in „Alt-Heidelberg"
ihr schlechtes Klischee fand, in ihm erklingt,
sobald er sich im Zauberkreis der glücklichen
Stadt aus der übrigen robusteren und härteren
Welt entrückt fühlt. Aber all das hat doch mit
der geistigen Bewegung, die wir Romantik nennen,
nichts mehr oder nicht eben viel zu tun. Begriff
und Wort sind im Laufe der Zeit verschoben
, verwässert, unklar geworden. Für die

Ausstellung galt es, beiden wieder zur ursprünglichen
Bedeutung gerade an dieser Stelle zu verhelfen
, und das ist ihr gewiß geglückt, wenn auch
die zeitlichen Grenzen nicht zu eng gezogen,
sondern entschlossen so weit verschoben worden
sind, daß der strenge Systematiker manches nur
als Nachromantik wird gelten lassen wollen.

Auch auf das Hilfsmittel des Gegensatzes
wurde dabei nicht verzichtet: ein unromantisches
Widerspiel rationalistischer und realistischer
Kunstempfindung ist mit feiner Hand
dem Ganzen eingefügt worden. Und ein ansehnlicher
Gewinn ist zu buchen. Nicht, weil
wir an das alte Rezept der Landschaftsmalerei
durch Werke Friedrich Rottmanns (des Vaters
des berühmten Karl) erinnert werden, in
denen klassizistische Regeln zu einem verblaßten
Dasein noch einmal aufleben, nicht so
sehr auch deshalb, weil wir den nämlichen
Rottmann trotz seiner künstlerischen Abhängigkeit
als einen erfolgreichen Lehrer erkennen
können, wenn er seinen rasch über ihn hinauswachsenden
Schülern auch kaum mehr zu geben
wußte als das Verständnis und den Ernst
für eine gute handwerkliche Grundlage, sondern
vielmehr deshalb, weil eine künstlerische Persönlichkeit
aufrechten und eigenwilligen Wuchses
vor uns ersteht, Georg Wilhelm Issel (1785
bis 1870). Auf der Jahrhundertausstellung sah

G. W. ISSEL

DORF IM GLOTTERTAL

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