Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 264
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E. FRIES

FELDWEG MIT BRÜCKE

stets Saiten verwandten Klanges zum Mitschwingen
bringen wird.

Neben Issel, den Realisten, als die eine bedeutende
„Entdeckung" der Heidelberger Ausstellung
tritt als zweite, nicht minder wichtige
Georg Philipp Schmitt, der Romantiker (1808
bis 1875). Von ihm wußten wir bisher noch
weniger als von jenem. Als ein völlig Unbekannter
wird er eingeführt; die Kunstgeschichte
wird ihn nicht wieder vergessen. Denn er kann
geradezu als Schulbeispiel für das Schaffen romantischer
Maler dienen, auch in jenem Abschnitt
seiner Arbeit, wo er die Höhe seiner
Kraft überschritten hatte und von seiner eigenen
Vergangenheit, wenn auch immer mit Liebenswürdigkeit
in der Empfindung und mit Geschmack
in den künstlerischen Mitteln, zehrte. Wie viel
er von seinem ersten Lehrer Xeller gelernt hat,
ist kaum zu sagen, da wir eben diesen noch viel
zu wenig kennen und auch die Heidelberger Ausstellung
uns über ihn nicht aufklärt. Wenn ich
aber des Bildnisses gedenke, das von seiner Hand
die Düsseldorfer Akademiesammlung aufbewahrt,
so möchte ich wohl glauben, daß er seinen
Schüler das Handwerkliche der Malerei gut zu
lehren und sein Auge für eine farbenreiche, geschmackvoll
abgestimmte Palette zu öffnen verstand
. Mehr wird jedoch Schmitt dem sechsjährigen
Aufenthalt in München zu verdanken
gehabt haben, wo er unter den scharfen Blicken
des Meisters Cornelius, ständig angeregt von einer
Schar gleichstrebender Mitschüler, jene Reinheit
und Sicherheit des zeichnerischen Striches sich
aneignete, die wir heute an ihm bewundern. Der
romantische Grundzug seines Wesens fand hier
günstigen Boden. Er stieß freilich auch auf die
Gefahren, die der Richtung anhafteten, und unterlag
ihnen, wie z. B. die Kargheit in der Erzählung
der Anbetung der Könige und das unausgeglichene
Verhältnis der Menschen dieses Bildes
zu der Landschaft beweisen. Auch das große
Familienbildnis ist von diesem Mißverhältnis
nicht frei, entschädigt aber dafür durch Reinheit
und Tiefe der Empfindung so sehr, daß
man dessen wohl vergessen mag. Alles, was
der Künstler schafft, ist Bekenntnis seiner lauteren
Seele, gleichviel ob er sich in einen bescheidenen
Veilchenstrauß langsam und ernsthaft
, aber vor allem das Wunder der Natur
nachfühlend, hineinmalt, oder uns an dem friedlichen
Winkelglück einer stillen Straße teilnehmen
läßt, das sein Malerauge freilich von einem Standpunkt
aus zu erfassen sucht, an den der Laie
sich kaum heranwagen würde, oder ob er schließlich
uns schildert, wie er die Menschen seiner
Zeit sah und sich in ihr Empfindungsleben ver-

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