Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 268
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der Furcht hinzugeben braucht, daß das Interesse
an den technischen Prozeduren den poetischen
Gehalt dieser persönlichsten Art angewandter
Kunst aufgezehrt habe. Im Kunstverein
lag bei einer Gedächtnisausstellung für
Louis Gurlitt der Nachdruck gleichfalls auf dem
graphischen Teil der Kollektion. Während die
Gemälde ein wenig eklektisch und wohl auch
altmodisch anmuteten, hatte man seine Freude
an den Zeichnungen voll einer schönen, herzlichen
Innigkeit und andächtiger Versenkung
in die Erscheinungen der Natur. Eine an gleicher
Stelle veranstaltete Ausstellung des Münchner
Vereins für Originalradierung vereinigte um
das verehrte Haupt der Münchner Radiergilde,
Peter von Halm, eine große Anzahl von Künstlern
und Könnern, unter denen die wohltemperierten
, abgeklärten, vom Schlage Oskar und
Cäcilie Grafs, Rudolf Schiestls, Hubert Wilms
den Ton angaben, allerdings brachten Erscheinungen
wie Adolf Schinnerer und besonders
der kühne Eduard Baudrexel, der seine stürmische
Jugendlichkeit in ekstatischen Manifestationen
einer temperamentvoll phantasierenden
und unbesorgt gestaltenden Kunst aus-
schwingen läßt, auch die Linie des Ungewöhnlichen
in das sonst so abgeklärte Ensemble.
Manchem Aussteller des Vereins für Originalradierung
begegnete man wieder bei der von
Caspari arrangierten Ausstellung der „Mappe",
einer jungen Vereinigung, die ohne Rücksicht
auf Richtungen und künstlerisches Glaubensbekenntnis
jung und alt, konservativ und revolutionär
vereinigt, neben Oberländer Beeh, neben
Peter Halm Unold, neben Eugen Kirchner
Edwin Scharff stellt. Aus dem wechselvollen
Spiel der Richtungen und Stimmungen, aus den
Parallelen und Kontrasten der scharf umgrenzten
Persönlichkeiten baute sich ein ungewöhnlich
interessantes Bild zusammen, das gewissermaßen
die Wellenschläge des Münchner Kunstlebens
ahnen ließ. Von der „Mappe"-Ausstellung
führten wieder Fäden und Beziehungen zu der
Aquarell-Ausstellung der Münchner Secession in
der Modernen Galerie Thannhauser. Die Veranstaltung
, bei der namentlich den Kollektionen von
Kubin, Seewald, Großmann, Scharff sich das Interesse
zuwandte, bewies, wie sehr diese zwischen
Graphik und Ölmalerei die Mitte haltende Technik,
die eine blitzartige Fixierung der Form- und
Farbeinfälle zuläßt, dem modernen künstlerischen
Empfinden entspricht. Vorwiegend Aquarelle
neben allerlei graphischen Arbeiten brachte
endlich eine „Ausstellung junger Münchner"
in den Münchner graphischen Kunstwerkstätten.
Sieben Akademiker, zumeist Schüler Becker-
Gundahls, stellten sich da vor. Namentlich Joseph
Nicki fiel auf. Im übrigen gab gerade diese
Ausstellung, über die Freude an manchem wohlgelungenen
Blatt hinaus, die Gewißheit, daß
die Akademie als Nährmutter tüchtiger Talente
immer noch ihre Mission erfüllt und daß auch
in Zukunft dem Münchner Kunstleben tüchtige,
eigenartige Kräfte zur Verfügung stehen werden.

Wolf

G. PH. SCHMITT VEILCHEN (1834)

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