http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0311
ALFRED LÖRCHER WEIBLICHES BILDNIS, BRONZE (um 1907)
ALFRED LÖRCHER
An der Formung der neuen Bildnerkunst hat
k der Westen Deutschlands übergroßen Anteil
. Vom Niederrhein kamen Lehmbruck,
Hoetger, Milli Steger, alemannischen Stammes
sind Albiker, Karl Burckhardt, Haller und Lör-
cher. Ihnen allen ist, gegenüber den anderen
namhaften Bildhauern unserer Tage, wie Barlach
und Scharff, das Stilmerkmal gemeinsam,
daß auf ihre Entwicklung die frühantike Kunst
einmal bestimmend eingewirkt hat. Alle haben
als Realisten begonnen, und ihre Wege sind
später weit auseinander gegangen. Auch der
Ruhm wurde ihnen nicht im gleichen Verhältnis
zu ihrer Leistung zu teil. Lehmbrucks Werk
ist heute abgeschlossen, sein Name gefeiert. Das
Schaffen Lörchers ist nicht so vielseitig, nicht
so reich und stark wie das des Rheinländers;
dennoch steht die Anerkennung Lehmbrucks in
keinem Verhältnis zu der Unterschätzung, die
der dem Marktschreiertum feindliche Schwabe
bisher erfuhr.
Alfred Lörcher ist am 30. Juli 1875 in Stuttgart
geboren. Er besuchte bis 1892 das Realgymnasium
seiner Vaterstadt. Seine Begabung wies
ihn früh zur Kunst. Er arbeitete zunächst in
der Erzgießerei von Paul Stotz in Stuttgart,
besuchte 1894 bis 1897 die Kunstgewerbeschulen
in Stuttgart und Karlsruhe, beschäftigte sich ein
Die Kunst ftlr Alle. XXXV. 15/16. Mai 1920
269
37
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0311