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ALFRED LÖRCHER
SITZEN DES MÄDCHEN (1913)
romanischen Ornamentik den Einfluß Theodor
Fischers. Neben ihnen zeigt sich in dem Entwurf
für einen Urnenfriedhof in Frankfurt a.M.
(1899) und in dem Grabmal der Maria Eppler in
Ebersbach im Filstal Streben nach klassischer
Form. Zu den anmutigsten Arbeiten dieser Art
gehört eineschreitende weibliche Gestalt (Bronze),
mit den Händen das Antlitz bedeckend, auf einem
der Stuttgarter Grabmäler. Erst viel später, 1915,
hat Lörcher, in guten Entwürfen für Krieger-
mäler, sich nochmals der Grabmalkunst zugewendet
.
In Italien lockten ihn zunächst die archaisierenden
herkulanischen Bildnisbüsten im
Neapler Museum. Es entstand noch in Rom
eine Anzahl verwandter Erzbüsten und -köpfe,
die deutlich erkennen lassen, wie der Stil knapper
und strenger wird; die Formen laden weniger
aus; die Haare werden in der Hauptsache nur
durch Ziselierung durchgebildet. Die Köpfe einer
Römerin, des Herrn Caniglia und des Dr. Röhm
(Darmstadt, Sammlung Röhm) sind Zeugnisse
dieser Wandlung. Ein Mädchen, aus dem Bade
steigend (Bronze), zeigt gleichfalls die Anfänge
des neuen Stiles. Heimgekehrt setzt Lörcher die
Bildnistätigkeit fort. Zwei weibliche Brustbilder,
das eine in Messing, das andere in blauem Marmor
, ein weiblicher Kopf in Bronze (Abb. S. 269),
das verwandte. Bildnis der Berta Steiner, ein
Damenbildnis in schwarzem Schiefer, die Herme
des Verlegers Hermann Lutz und das Bildnis
des jungen Hans Schimpf von Eßlingen sind
sämtlich zwischen 1907 und 1909 entstanden. In
der gleichen Zeit liefert der Künstler mehrere
Entwürfe für eine Brunnensäule auf dem Markusplatze
in Stuttgart, sowie das Modell eines
Glockengießerbrunnens für Breslau.
Die statuarische Plastik dieser Jahre nach der
Rückkehr aus dem Süden zeigt nun deutlich,
daß der Künstler nicht bei der in den Büsten
versuchten Nachahmung des archaisierenden Stiles
der frühen Kaiserzeit stehen geblieben, sondern
, daß er zu den Quellen dieser Kunst vorgedrungen
ist. In der basaltenen Kauernden
von 1908 (Darmstadt, Sammlung Röhm, Abb.
S. 270) ist die Wandlung vollzogen. Der harte
Basalt kam den Wünschen des Künstlers entgegen
; hier war ein Sichverlieren in Einzelform
unmöglich. Welche Entwicklung von der frühen
Kauernden mit dem Spiegel (Abb. S. 278) zu
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