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ALFRED LÖRCHER
Frankfurt a.M., St'ädel-Institut
SCHLAFENDES MÄDCHEN (1913)
dieser klar bewegten einfachen Figur. Die Beinstellung
ist fast die gleiche: das rechte Bein
ruht völlig auf dem Boden, der linke Fuß ist
zurückgestemmt, das linke Knie ein wenig erhoben
. Wie viel kräftiger und ausdrucksvoller
ist die Bewegung in der jüngeren Figur, wie viel
stärker hier die Gegenbewegung des aufgestützten
Armes, an den der klar und knapp um-
rissene Kopf sich lehnt. Die eherne Jünglingsfigur
in der Sammlung Leopold Schabeth in
Stuttgart ist gewiß nicht im klassischen Sinne
ausgewogen: das linke Bein ist Standbein, der
linke Unterarm heischend vorgestreckt; anderseits
ist sie, mit einer archaischen Figur verglichen
, im Spielbeine zu stark bewegt; doch hat
auch sie die wohltuende Knappheit schlichtesten
Umrisses.
Die volle Ausreifung seines Stiles bringen die
Berliner Jahre, igio vollendet er zwei kleine Tierbilder
, einen Bronzestier und eine Basaltkuh
sowie den ehernen Bogenschützen (Sammlung
Otto Haas in Philadelphia, Abb. S. 271), wiederum
Beispiele ruhiger Wirkung geschlossenen
Umrisses. 1911 schafft er girlandentragende
Knaben für das Haus Dohm in Hellerau und
plastische Dekorationen für Bühnenbilder des
Deutschen Theaters in Berlin, 1912 entstehen Entwürfe
für den Reithallengiebel und das Lutherdenkmal
in Stuttgart. Vor allem aber beschäftigen
ihn nun Darstellungen liegender und sitzender
weiblicher Figuren. Es sind bis heute nicht
weniger als fünf Typen sitzender und drei verschiedene
Bildungen liegender Akte, stilistisch
eng miteinander verwandt, dennoch jede von der
anderen durch den Wechsel des Bewegungsmo-
tives deutlich geschieden. In ihnen ist der heiterruhige
Geist lebendig, der antike Werke beseelt.
Zuerst entstand, 1912, die Sitzende (Gips,
Abb. geg. S. 269, Mattbild), die das linke Bein
unter das rechte gezogen hat und mit der rechten
Hand den linken Fuß berührt. Ihr folgt
im gleichen Jahre ein sitzendes Mädchen mit
ähnlicher Beinstellung (Gips), das mit beiden
Händen sich die Haare aufbindet. Eine dritte
Sitzende, eine kleine Figur aus rotem gebranntem
Ton (1913), wiederholt nochmals die Beinstellung
; das Haupt ist gegen die erhobene linke
Hand geneigt, die einen kleinen Spiegel hält. Eine
weitere Tonfigur vertauscht das Motiv der Beine;
die rechte Hand ruht zwischen den beiden Knien;
das Haupt ist nach vorn gesenkt. Die fünfte
Sitzende (1913, Gips, Abb. S. 272) legt den linken
Fuß vor den rechten, die linke Hand in den
Schoß; der Kopf ist auch hier gesenkt.
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