http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0320
gotische Stiltendenzen unterstellt. Nicht Ausdruck
, sondern Klarlegung der Form, nicht seelische
Bewegung, sondern Ruhe sind ihre Ziele.
Die Kunst Lörchers ist ähnlich still, verschlossen
, knapp und knospenhaft.
Seit dem Aufenthalte in Italien betätigt sich
Lörcher, früh erworbene kunstgewerbliche Fähigkeiten
nutzend, auch als Kleinplastiker. Als
Medailleur steht er mit Gieß im Vordertreff en. Angeregt
von Pisanello und Verwandten begann
er 1905 mit Bildnisplaketten. Zu den frühesten
gehören die noch ein wenig konventionellen
Plaketten der Carolina Onorato (1905) und der
Selma Eckert (1908) ; freier wirkt die schöne
Plakette des Hans Schimpf (1910). An diese
Bildnisse reiht sich, seit 1909, eine Fülle von
figürlichen Plaketten (Abb. S. 276), flach in
Gips geschnitten: kniende und stehende Frauen,
Mädchen mit Spiegel, Rossebändiger, eine Tänzerin
, Diana auf der Jagd, Pan mit Syrinx. Neben
diesen Schöpfungen finden sich in Lörchers
Werk Siegelstempel und Gemmen (Abb. S.277) ;
und es läßt sich nicht leugnen, daß, so deutlich
die Folge der großen Bildwerke sein ernstes Ringen
um die Form verrät, in den Werken der
Kleinkunst sich ein leichtes und freies Schaffen
offenbart, wie es dem Wesen dieser liebenswürdigen
und zarten Gebilde entspricht.
So mischen sich in Lörchers künstlerischer
Art Eigenschaften, die ihn befähigten, einer der
Führer unter den jüngeren Bildnern zu sein, träte
er nicht, in schwäbischer Bescheidenheit, als
Mensch völlig hinter sein Werk zurück.
Julius Baum
ALFRED
LÖRCHER
278
MÄDCHEN MIT
SPIEGEL
BRONZE (um 1904)
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