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RUDOLF SIECK
Wem daran gelegen ist, rasch anerkannt zu
sein oder wenigstens bald von jenen genannt
zu werden, die der öffentlichen Meinung
die Richtlinien vorzeichnen, der kann nichts
Klügeres tun, als sich blindlings jener Richtung
anzuschließen, über die gerade am meisten debattiert
wird. Ob er sich innerlich dazu gedrängt
fühlt oder nicht, das kommt für einen
strebsamen Mann nicht in Betracht. Die Hauptsache
ist, daß er sein Ziel erreicht, und das
wird er heute am schnellsten, wenn er wie die
Expressionisten zeichnet und malt. Schwer zu
erlernen ist das ja nicht. Etwas schwieriger
gestaltet sich die Sache schon, wenn einer
eigensinnig genug ist, nach seiner Fasson selig
werden zu wollen. Anders ausgedrückt: wenn
einer glaubt, daß die einzige Richtung, die
letzten Endes etwas taugt und zu etwas führen
kann, die eigene ist. Nun ist eine solche freilich
nicht beim Krämer zu haben. Man erhält
sie als Geschenk vom Schicksal. Aber damit
allein ist es noch nicht getan. Man muß auch
den Mut haben, sich zu ihr zu bekennen, ganz
gleichgültig, welche Richtungen eben modern
und marktgängig sind, und muß stark genug
sein, bei ihr zu beharren, sich nicht auf andere
Wege locken zu lassen und das, was einem an
Persönlichkeitswerten gegeben ist, in Gemächlichkeit
und mit Fleiß auszubauen. Rasche
Erfolge sind dabei meist nicht zu haben, und
die öffentliche Anerkennung der Wortführer
wird zunächst auch fehlen. Aber eine kleine
Gemeinde ist einem solchen Eigenen doch stets
von Anfang an sicher; allmählich wird eine
große daraus, und eines Tages ist plötzlich
modern, was lange unzeitgemäß gewesen ist.
Es gehört nur Geduld dazu, diesen Tag zu
erwarten.
Der oberbayerische Landschafter Rudolf Sieck
ist ein ganz besonders schönes Beispiel dafür,
daß man es nicht immer nötig hat, sich der
neuesten Richtung an die Rockschöße zu hän-
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