Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 288
(PDF, 126 MB)
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LEO VON KÖNIG

trätiert, enthält etwas Wahres. Wenn Rem-
brandt oder Holbein einem Modell gegenübertraten
, so löschten sie dessen unbedeutende
Individualität im Bilde aus und Rembrandt verlieh
dem Porträt eines Bettlers oder einer Magd
etwas von seiner tiefen Innerlichkeit und von
seiner großen Seele, ebenso wie Holbein —
mochte ihm nun ein Kaufherr, ein englischer
Höfling oder ein Humanist sitzen — immer nur
ein Abbild seines eigenen beherrschten, kühlen,
stolz abweisenden Wesens gab. Dieses selbstherrliche
Umgestalten des Menschen nach dem
eigenen Bilde dürfen sich auf die Dauer nur die
ganz großen Genies gestatten. Ist die Schöpferkraft
des Künstlers nicht stark, seine Persönlichkeit
nicht bedeutend
, so gerät
seine Bildniskunst
rasch in eine stereotype
Manier hinein.
Das Interesse des Betrachters
an den routinierten
Porträts erlahmt
sehr bald und
seine Anteilnahme
wendet sich nun der
Persönlichkeit des
Dargestellten zu. Hier
versagt aber das Bild,
denn auf Porträtähnlichkeit
, ja oft sogar
auf Charaktereigenschaften
des Dargestellten
hat der Künstler
kaum geachtet.
Der ideale gute Porträtmaler
— sofern er
nicht eins der wenigen
ganz überragenden
Genies ist —
wird also jener Künstler
sein, der das
Streben altmodischer
Meister nach einer
sachlichen und erschöpfenden
Porträtähnlichkeit
mit kultivierter
persönlicher
Auffassung verbindet
, der weder in
unfreie und ängstliche
Naturnachahmung
verfällt, noch
sich allzu subjektive
Extravaganzen gestattet
. Diesen guten
Porträtisten, die
heute recht selten
sind, darf der Berliner Leo von König zugezählt
werden.

Im Laufe der letzten Jahre sah man Werke
Leo v. Königs in der alten Secession und im
Kunstsalon Schulte, in der „Großen Berliner
Kunstausstellung" und in der „Berliner Secession
", und seit kurzem besitzt auch die Nationalgalerie
ein Werk seiner Hand. Wenn sich
die Bilder in den fortschrittlichsten Ausstellungen
wie im konservativsten Milieu gleich gut behaupteten
, obwohl der Künstler sich niemals den
besonderen Verhältnissen angepaßt hatte, so
beweist das, daß sie absolute Eigenschaften besitzen
, die über eng umgrenzte Absichten vereinzelter
Kunstrichtungen hinausgehen. In

DAMENBILDNIS

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