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LEO VON KÖNIG
SKIZZE EUROPA
jenem Kunstmilieu, wo von einem Bildnis vor
allem Ähnlichkeit und treffende Charakterisierung
gefordert wird, bewährten sie sich durch
die sachliche und eindringliche Wiedergabe der
Dargestellten, und dort, wo man auf gegenständlichen
Bildinhalt, also auch auf Porträtähnlichkeit
, keinen allzu großen Wert legt, erregten
sie Aufmerksamkeit durch die gepflegte
und geschmackvolle Art der Malerei.
Der Künstler hat sein gediegenes malerisches
Können durch das Studium der alten Meister,
vor allem der großen Spanier, verfeinert. Anregungen
, die er durch die großen französischen
Maler des 19. Jahrhunderts erhielt, sind ebenfalls
unverkennbar. Mit anekdotisch belebten Bildnisgruppen
, die man „Im Bohemecafe", „Beim
Frühstück", „Lektüre" benennen könnte, schuf
Leo von König vor einer Reihe von Jahren
impressionistische Gemälde von bleibendem
Werte. Auch heute, wo wir nicht mehr unbedingt
auf die impressionistische Sehweise eingestellt
sind, wirkt die Malerei, die Bildstellen
bald flott und geistreich hinskizziert und andere
Teile, wie etwa Gegenstände auf einem Tisch,
mit lustvollem Behagen weich und voll herausmodelliert
und das Ganze harmonisch zusammenzuhalten
weiß, frisch und schön. Erinnern
solche Werke entfernt an Bilder Manets, so
denkt man vor manchen Bildnissen an Co-
rot'sche Porträts, ohne daß hier wie dort eine
bewußte Nachahmung oder gar eine sklavische
Abhängigkeit zu konstatieren wäre. Die meisten
Männer und Frauen, die König zu malen hatte,
gehören der besten Gesellschaftsschicht an. Es
erforderte starke Selbständigkeit und sicheren
künstlerischen Takt, um der Gefahr zu entgehen
, beim Porträtieren in jenes konventionelle
vornehme Bildnisschema zu verfallen, das
von van Dyck an über die englischen Porträ-
tisten des 18. Jahrhunderts bis in die neueste
Zeit für Menschen dieser Schicht angewendet
wurde. Bei den Frauenbildnissen, die den Namen
Leo v. König vor allem bekannt gemacht haben,
verzichtet der Künstler von vornherein auf die
billigen Effekte, die sich durch die Andeutung
eines mondänen Milieus und durch bunte und
reiche Toiletten erzielen lassen. Die Zurückhaltung
, die sich der Künstler im vollen Bewußtsein
seines Könnens auferlegt, geht so
weit, daß er sich bei vielen Bildnissen auf das
gleiche simple Kompositionsschema und auf
die gleiche Farbengebung, die nichts weniger
als blendend und heiter ist, beschränkt. Die
ruhige Haltung der sinnend vor sich hinblik-
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