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LINDA KÖGEL
ALTARBILDER IN DER LISTER KIRCHE
DIE WANDBILDER DER LISTER KIRCHE
Die Erneuerung und Weiterentwicklung der
dekorativen Malerei gehört zudenbleibenden
Verdiensten der Moderne. Sie setzte sich aber
ungleich langsamer und schwieriger durch als
das gleichzeitige Staffeleibild, da es ihm an den
entsprechenden Aufgaben fehlte. An derart begabten
Künstlern mangelte es keineswegs: Stuck,
L. Herterich, Volz, Holzel, Leistikow, L. v. Hofmann
, um aufs Geratewohl nur ein paar Namen
zu nennen. Dem vorhandenen Drange einigermaßen
zu genügen, griff man zum dekorativen
Tafelbild, so die Dachauer und später die Scholle.
Den nächsten Gewinn hatte die Illustration;
Blätter wie „Jugend" und „Simplicissimus", dann
die auferstehende Buchkunst. Erst im letzten
Jahrzehnt wurde es besser, wesentlich gefördert
durch die allgemeine Richtung der Malerei, die
wiederum mehr die Form und den straffen Bildbau
pflegt. Auch hier wirkt aber im tatsächlichen
Wandbilde die allzulange Oberherrschaft
des Staffeleibildes verderblich nach: von den
Ausstellungen gewohnt, in rücksichtslosem Wettkampf
sich durchzusetzen, fehlt dem Maler das
Gefühl für die notwendige Ein- und Unterordnung
des dekorativen Werkes.
Um so bedeutungsvoller ist es, daß Linda
Kögel schon im Anfang des Jahrhunderts den
richtigen Weg fand. Zuerst in der Ausmalung
der München-Schwabinger Erlöserkirche (1904)
und im folgenden Jahr in der Dorfkirche von
List, die inzwischen Vorstadt von Hannover
geworden. An der ersten Aufgabe, die 40 qm
umfaßte, schnell und bedeutend gewachsen, durfte
sie sich an eine innerlich und äußerlich größere
mit vollem Recht wagen. Leider blieb der Künstlerin
die endgültige Ausführung durch schwere
und lange Krankheit versagt. Das Werk ist über
seine entwicklungsgeschichtliche Bedeutung hinaus
wegen seiner selbst beachtenswert.
Zuvörderst galt es unter dem Gesichtspunkt
des Chorbildes für die Wände, Einrichtung und
Ornamente die einheitliche Färbung zu schaffen:
die Holzdecke mit freiliegenden Balken wurde
blau getönt, die Emporen dunkel gebeizt, das
Gestühl grünbräunlich, das Chorgewölbe tief
himmelblau mit Sternen bemalt. Die steingraue
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